GSAV-Entwurf

Porwoll: „Imposanter Erfolg der Zyto-Apotheker-Lobby“ APOTHEKE ADHOC, 10.12.2018 18:11 Uhr

Berlin - Krebspatienten können in Deutschland nicht darauf vertrauen, „dass sie die Medizin erhalten, die ihnen verschrieben und verkauft wird“. Das kritisiert Martin Porwoll einem Gastbeitrag für die Rheinische Post. Der Whistleblower, der den Skandal um gepanschte Zytostatika in der Bottroper Alten Apotheke an die Öffentlichkeit brachte, teilt darin gegen Politik, Zyto-Apotheken und Gesundheitssystem aus. Auch das neue Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GASV) behebe die Probleme nicht, sondern mache sie im Gegenteil nur noch größer.

Ziemlich genau zwei Jahre ist der Beginn des Bottroper Apothekenskandals nun her, Ende November 2016 durchsuchte die Polizei die Apotheke von Inhaber Peter Stadtmann. „Doch passiert ist in dieser Zeit zu wenig“, beklagt der ehemalige kaufmännische Leiter der Alten Apotheke, der nach fast zwei Jahren Arbeitssuche seit Oktober bei der BKK Verkehrsbau Union arbeitet. Zwar wurde sein ehemaliger Chef inzwischen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. „Das größere Ziel aber war und ist die Änderung des Systems, das seine Taten erst ermöglicht hat.“ Und da sieht es laut Porwoll finster aus.

„Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass dieser beispiellose Skandal folgenlos bleibt“, so der 47-Jährige. „Alle Zuständigen ducken sich weg und lassen die Opfer allein – in sämtlichen Behörden, auf kommunaler, Landes- und insbesondere Bundesebene.“ So hält Porwoll wenig vom GSAV, dessen Entwurf das Bundesgesundheitsministerium Mitte November vorstellte und das verhindern soll, dass sich ein derartiger Fall wiederholt. Der Gesetzentwurf „klingt gut, ist es aber nicht“, schreibt er. Mit dem Gesetz würde vieles besser werden, „just die Probleme mit Krebsarzneien aber nicht kleiner, sondern sogar noch größer“. Bei unangekündigten Kontrollen von Zyto-Apotheken bleibe der GSAV-Entwurf zu sehr im Ungefähren, kritisiert er. So erfülle er an keiner Stelle den Eindruck, die Kontrollen verschärfen zu wollen.

Denn zwar werde „vollmundig versprochen“, die Häufigkeit von unangemeldeten Inspektionen zu erhöhen – praktisch sollten sie demnach aber trotzdem nicht zur Regel werden. Schon heute seien unangekündigte Kontrollen theoretisch möglich, „doch die dazu abgestellten Amtsapotheker sind überlastet und oft auch zu eng mit den zu kontrollierenden Kollegen verbandelt“. Es gelte das Motto: „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen!“ Laut dem Gesetzesentwurf sollen in Schwerpunktapotheken, die Injektions- und Infusionsarzneimittel wie Zytotstatika herstellen, künftig mindestens einmal jährlich unangemeldet Proben aus der laufenden Produktion gezogen und amtlich untersucht werden. Wenn das im Einzelfall nicht möglich ist, können dann auch Rückläufer gezogen werden.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

Markenrechtsverletzung

EuGH: Öko-Test vs. Dr. Liebe»

Plattformen

Urteil: Apotheker dürfen über Amazon verkaufen»

Konsumgüterkonzerne

Reckitt sucht einen neuen Chef»
Politik

Apothekerin dreht Kurzvideos

Persönlichkeit? Nur vor Ort!»

Plan B2

Schmidts Videobotschaft»

Nach Kritik von Ärzten

Spahn zu Änderungen am TSVG bereit»
Internationales

Apothekenketten

Walgreens und Microsoft gehen gemeinsam auf Datenjagd»

Versorgung in Großbritannien

Brexit: Pharmaverbände befürchten Engpässe»

Schneemassen in Österreich

Apothekendach geräumt: Team atmet auf»
Pharmazie

AMK-Meldung

Amoxibeta muss zurück»

Deoxycholsäure

Nekroserisiko bei Kybella»

HIV-1-Infektionen

Delstrigo/Pifeltro: Doravirin im Faktencheck»
Panorama

Frischer Wind in Berlin-Mitte

Apotheke, Ahoi!»

Getöteter Apotheker in Hamburg-Harburg

Axt-Mord: Polizei sucht zwei Personen»

Rheinland-Pfalz

Fälscher legt Rezept von „Dr. Quincy Hund” vor»
Apothekenpraxis

ApoRetrO

ABDA bereitet sich auf harten Bonxit vor»

Hirsch-Apotheke in Xanten wird umgebaut

Der Rowa als Mini-Jobber»

Rx-Boni-Verbot

SPD: Nicht die ABDA entscheidet»
PTA Live

Konkurrenzkampf im Team

Wenn der Kollege zum Feind wird»

PTA Lehrakademie Köln

Tafel statt HV – Dozentin an der PTA Schule»

Faktencheck

Off-Label-Use: Was ist zu beachten?»
Erkältungs-Tipps

Internationale Erkältungstipps

Grappa-Milch und Hot-Toddy: Hausmittel aus fernen Ländern»

Abwehrkräfte

Immunsystem: Der wichtigste Schutzschild»

Nasenschleimhaut

Winter: Stress für die Nase»