Honorargutachten

MVDA: Apotheker müssen aufstehen

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Berlin -

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat zu diesem Jahreswechsel auf einen „Präsidentenbrief“ mit politischen Botschaften und Positionierungen verzichtet. Der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA) fordert in seiner Neujahrsbotschaft hingegen die Apothekerschaft auf, mit eigenen Vorschlägen und Konzepten dem vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Auftrag gegebenen Honorargutachten Paroli zu bieten: „Die Zeiten des Aussitzens sind vorbei. Wenn wir jetzt nicht aufstehen und das Wort und die Initiative ergreifen, dann werden wir Stück für Stück abgeschafft“, schreiben MVDA-Präsidentin Gabriela Hame-Fischer und Vize Holger Wicht.

Aus Sicht des MVDA ist das Honorargutachten ein „Sammelsurium an Folterwerkzeugen“, mit denen den Apotheken der „Garaus“ gemacht werden solle. „Viele Freunde scheinen die Apotheker nicht mehr zu haben“, befürchten Hame-Fischer und Wicht. Man müsse das Gutachten zwar als „untauglich zurückweisen“, das werde aber nicht ausreichen: „Bei jeder kleinen Forderung der Apotheker wird man dieses Schreiben dann wieder hervorziehen und mit irgendeiner Missetat daraus drohen.“

Die Gutachter schreckten nicht davor zurück, die Vorteile der Planwirtschaft zu preisen. Ihnen reichten 10.000 Apotheken, um die Akutversorgung mit Kühlware, BTM und Rezepturarzneimitteln aufrecht zu erhalten, alles andere erledige der Versand, so die MVDA-Spitze. Dabei sollten die Apotheken so verteilt werden, dass jeder Patient nicht mehr als 15 Kilometer mit dem Auto fahren müsse, also vier Minuten Fahrweg.

„Sie haben kein Auto? Pech gehabt, das ist im Gutachten nicht vorgesehen. Der Wunsch der Patienten nach ihrem persönlichen Ansprechpartner? Fehlanzeige! Die DDR hat uns seinerzeit vorgemacht wie es geht. Einmal die Woche liefern reicht doch – klar! Viel Spaß im Notdienst! Warum es die DDR wohl nicht mehr gibt….? Da reibt man sich schon verwundert die Augen, und manch einer wird sich gefragt haben: Was haben die geraucht? Wer hat dafür bezahlt? Und vor allem warum?“

Die Vorschläge seien aus der Wirtschaftstheorie geborene Ansätze, die mit der Versorgungsrealität so viel zu tun hätten wie „Gasthof mit Gustav‘“. Einen substanziellen Planungsansatz zur Verbesserung der Versorgung bleibe das Gutachten schuldig. „Und viele neue Erkenntnisse bringt es ebenfalls nicht hervor. Dass es der Hälfte der Apotheken nicht gut geht oder etliche Leistungen nicht ausreichend vergütet werden, wussten wir vorher schon“, so der MVDA.

Das Honorargutachten springe „nicht nur viel zu kurz, sondern auch falsch, es fehlen der Blick aufs Gesamtsystem – und auf die Versorgung“. In dieser Legislaturperiode sollten mit viel Geld neue Gesundheitsberufe in die Patientenversorgung eingeführt werden, rekrutiert aus dem Pool der Pflegefachberufe. „Die Apotheker sind schon vor Ort, als jahrelang bekannte und geschätzte Ansprechpartner des Patienten sowie als vertrauenswürdige Lotsen im Gesundheitssystem. Sie kurieren 30 bis 40 Prozent der Krankheitsfälle mit frei verkäuflichen Arzneimitteln, ohne dass diese Patienten die Arztpraxen und Notaufnahmen zum Kollabieren bringen. Die Apotheker entscheiden, wann ein Arztbesuch unabdingbar ist, sie beraten, erläutern und schaffen Vertrauen in die ärztlichen Therapien und sind für den Erfolg der Behandlung unabdingbar“, heißt es im MVDA-Präsidentenbrief weiter.

Deshalb sei der Weg hin zu mehr und nicht etwa zu weniger Aufgaben für Apotheker der aus Systemsicht einzig richtige. Da gehe es nicht um das Abknapsen von Honorar und Zwangsschließung von Apotheken, es brauche im Gegenteil mehr Vertrauen in die Apotheker und das Übertragen von mehr Leistungen sowie der Rundum-Versorgung von immobilen Patienten bis ans Bett. „Verbesserung der Durchimpfung der Bevölkerung, Unterstützung und Lotsenfunktion bei der Telemedizin bis hin zu Labordienstleistungen und Wiederholungsrezepten – um den Ärztemangel auf dem Land aufzufangen und diese zu entlasten, kann das ein Weg sein.“ Das koste dann allerdings auch Geld – Geld, das für die Versorgungsqualität der Patienten gut angelegt sei. „Aber dazu muss und darf man die Apotheken vorher nicht ‚platt machen‘. Denn das wird dann richtig teuer“, so der MVDA. Deshalb könne man zu diesem „Gutachten, den Ausführenden, aber auch den Auftraggebern“ nur eines konstatieren: „Setzen, sechs!“

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