Thüringen: Jede zweite Apotheke bedroht

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Berlin - Eine Absenkung des Fixzuschlags, wie im Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) vorgeschlagen, könnte in Thüringen für jede zweite Apotheke das Aus bedeuten. Das hat der Apothekerverband in Erfurt ausgerechnet. In einem Interview der Ostthüringer Zeitung erklärt Verbandschef Stefan Fink, dass die 2hm-Studie „ein Gutachten für die Schublade sei”.

Wenn die Empfehlungen zum Apothekerhonorar so umgesetzt würden wie empfohlen, könnte sich viele Apotheken wirtschaftlich nicht mehr halten. Fink geht davon aus, dass von den 550 Apotheken in Thüringen rund 270 schließen müssten, in 82 Kleinstädten gäbe es dann keine Apotheke mehr vor Ort. Dazu kämen bis zu 2000 Arbeitsplätze, die dann wegfielen und vor allem Frauen treffen würden. Denn der Frauenanteil in Thüringer Apotheken liegt bei aktuell etwa 90 Prozent.

Ferner sieht der Thüringer Apothekerverband bei den weiter bestehenden Apotheken die Gefahr eingeschränkter Dienstleistung. Mit weniger Personal falle künftig die kompetente Beratung dann kürzer oder sogar ganz aus. Botendienste oder Fortbildungen für Mitarbeiter wären auch Kandidaten für die Streichliste.

Das 2hm-Gutachten hatte Ende 2017 ein Zahlenwerk geliefert, das bei Umsetzung das Jahreseinkommen der Apotheken um durchschnittlich 50.000 Euro schmälern würde. Besonders der Fixzuschlag von 8,35 Euro ist den Gutachtern ein Dorn im Auge. Sie halten den Preis im Verhältnis zum Arbeitsaufwand für deutlich überzogen.

Für Fink steht die rot-rot-grüne Landesregierung unter Bodo Ramelow in der Pflicht, sich für die Thüringer stark zu machen und alles abzuwehren, was der Arzneimittelversorgung vor Ort zuwider läuft. Bislang habe sich jede Landesregierung dafür stark gemacht.

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