APOSCOPE-Umfrage

Honorarkürzung schon 2018

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Berlin -

Apotheker sind in der Regel keine blauäugigen Träumer, sondern bewerten die Zukunft ihrer Branche trotz Neujahrseuphorie kritisch. Was 2018 betrifft, herrscht Skepsis vor. Viele Inhaber befürchten laut einer aktuellen Umfrage von APOSCOPE schon in diesem Jahr Einbußen beim Einkommen. Auch wachsender Personalmangel und Lieferengpässe bereiten den Apothekern Bauchschmerzen.

Die Debatte um das Honorargutachten hat die letzten Wochen des abgelaufenen Jahres beherrscht. Laut den Erhebungen erhalten die Apotheker derzeit ein viel zu hohes Packungshonorar. Obwohl das Gutachten keine Verbindlichkeit für die Politik hat, überwiegt in den Apotheken bereits die Sorge. Eine Mehrheit der Inhaber (58 Prozent) rechnet damit, dass sich ihr Honorar infolge des Gutachtens im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) verschlechtern wird.

Etwas mehr als jeder vierte Apothekenleiter (28 Prozent) glaubt, dass das Gutachten keinen Einfluss auf das Honorar haben wird. Von einer Verbesserung der Vergütung als Folge des 2hm-Gutachtens geht kein Inhaber aus. Auch unter den Angestellten rechnen nur wenige damit. Die Approbierten und PTA befürchten überwiegend ebenfalls Kürzungen oder Stillstand, viele sind sich in dieser Frage allerdings unsicher.

Die Sorgen der Inhaber sind dagegen akut: 48 Prozent von ihnen befürchten, dass das Apothekenhonorar schon im laufenden Jahr gekürzt wird. 38 Prozent gehen zumindest 2018 noch von einer Stagnation aus. An eine Erhöhung des Honorars im Laufe des Jahres glaubt derzeit niemand. 14 Prozent haben hierzu keine Angabe gemacht. In dieser Frage sind auch die Angestellten in den Apotheken nur geringfügig positiver gestimmt.

Trotz einiger Widrigkeiten bewerten die Apothekenteams das vergangene Jahr insgesamt eher positiv für ihren Betrieb: 42,5 Prozent fanden 2017 „ein gutes Jahr“, eine kleine Gruppe von 2,6 Prozent sogar „exzellent“. Die meisten (46,4 Prozent) sprechen allerdings von einem durchschnittlichen Jahr. Die wirklich Unzufriedenen sind in der Minderheit: 5,9 Prozent sehen 2017 als „verlorenes Jahr“, 2,3 Prozent als „katastrophal“.

Diese insgesamt positive Einschätzung gilt allerdings nur für den eigenen Betrieb. Bei der Betrachtung der gesamten Branche ist die Tendenz negativ. Zwar sieht die Mehrheit von 55,2 Prozent ein durchschnittliches Jahr. Doch 18,6 Prozent bewerten 2017 als verlorenes Jahr, weitere 7,5 Prozent sogar als katastrophales Jahr. Das ist in der Summe immerhin jeder vierte Befragte. Ein exzellentes Jahr für die gesamte Branche hat dagegen kein einziger Teilnehmer ausgemacht, 15,4 Prozent immerhin ein gutes Jahr.

Und wie wird es im kommenden Jahr? Die Inhaber blicken nicht besonders zuversichtlich in die Zukunft: Nur 12 Prozent glauben, dass es ihrer Apotheke Ende 2018 besser gehen wird als heute. Immerhin jeder Dritte (34 Prozent) rechnet mit stabilen Verhältnissen. Doch die meisten (46 Prozent) befürchten, dass es ihrer Apotheke am nächsten Silvesterabend schlechter gehen wird als heute.

Noch düsterer ist die Vorhersage für die gesamte Branche: 68 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Situation für die Apotheken insgesamt. Und während weitere 28 Prozent von einer unveränderten Lage ausgehen, erwartet kein einziger Teilnehmer, dass es binnen Jahresfrist besser wird für die Branche.

Entsprechend erwarten fast alle Teilnehmer einen weiteren Rückgang der Apothekenzahl. 89 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Betriebsstätten wie in den vergangenen Jahren weiter verringert. Unter den Inhabern sind es sogar 98 Prozent.

Das Geld wird im Einkauf verdient, ist eine alte Händlerweisheit. Auch hier sind die Apotheker nicht besonders optimistisch: Nur 6 Prozent erwarten 2018 bessere Konditionen beim Großhandel, 40 Prozent immerhin stabile. Doch die Mehrheit von 54 Prozent rechnet mit verschlechterten Konditionen. Das Honorargutachten könnte auch auf die Beantwortung dieser Frage Einfluss gehabt haben. Denn die Gutachter schlagen eine gesetzliche Kürzung der rabattierbaren Großhandelsspanne vor.

Abgesehen von den Konditionen muss die Ware erst einmal in die Apotheke kommen: Stichwort Lieferengpässe. 61 Prozent der Teilnehmer befürchten, dass die Schwierigkeiten mit Lieferengpässen und Kontingentierungen 2018 größer werden, weitere 32 Prozent erwarten keine Verbesserung der derzeitigen Situation.

Trotz Retax-Deal mit den Krankenkassen erwartet jeder dritte Inhaber selbst bei den Retaxationen eine Verschlechterung im kommenden Jahr. Die Mehrheit von 64 Prozent erwartet keine maßgeblichen Veränderungen. Dass es besser wird mit den Kürzungen der Kassen, hoffen allerdings nur 4 Prozent der befragten Apothekenleiter. Der Rest des Teams ist sogar skeptischer: 55 Prozent der PTA befürchten mehr Retaxationen im neuen Jahr.

Eine andere große Sorge der Inhaber ist der Fachkräftemangel: 70 Prozent der Apotheker befürchten, dass die Personalsituation in Apotheken Ende 2018 schlechter sein wird als sie heute ist. Nur 28 Prozent gehen von einer unveränderten Lage aus, an eine Verbesserung glaubt niemand. Inhaber und Angestellte sind dabei übrigens weitgehend einer Meinung.

An der Umfrage von APOSCOPE nahmen am 21. Dezember 2017 insgesamt 306 Apotheker und PTA teil, darunter 50 Inhaber oder Apothekenleiter.

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