Linke: Cannabis-Versorgung kommt nicht in Gang

, Uhr

Berlin - Die Versorgung schwer kranker Patienten mit medizinischem Cannabis funktioniert offenbar auch vier Monate nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung immer noch nicht richtig. Der stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Frank Tempel sagte: „Von Patienten mit Besitzerlaubnis weiß ich, dass die Krankenkassen nicht immer die Kosten für die Medizin erstatten.“ Weiteres Problem seien Lieferengpässe bei den Apotheken.

Das Gesetz „Cannabis als Medizin“ ist am 10. März in Kraft getreten. Ein Ziel ist eine bessere Schmerzlinderung schwer kranker Menschen. Das Gesetz regelt den Einsatz von Cannabisarzneimitteln, wenn andere nicht mehr helfen. Das muss allerdings ein Arzt entscheiden.

Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hat erst gut ein Drittel der rund 1000 angeschriebenen Patienten, zumeist Schmerzpatienten, ihre persönlich erteilte Ausnahmeerlaubnis zur Anwendung von Cannabis, wie vorgesehen, an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zurückgeschickt. „Die geringe Quote an Rücksendungen ist ein Indiz dafür, dass das Gesetz nicht für alle funktioniert, obwohl es gerade für die Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung gemacht wurde“, sagte Tempel.

Nach Einschätzung des Deutschen Hanfverbandes stieg die Zahl der Patienten, die Cannabis als Medizin konsumieren, seit Inkrafttreten des Gesetzes Mitte März erheblich. Bis Anfang Juli habe etwa die Techniker Krankenkasse (TK) 522 von 863 Anträgen genehmigt. Bei den AOKen gingen nach Angaben ihres Bundesverbandes bis jetzt um die 3300 Anträge ein, bisher sei die Hälfte genehmigt worden, die Zahl könne aber noch steigen, sagte eine Sprecherin. Über die Zahl der Patienten, die sich seit März ein Cannabis-Rezept auf Selbstzahlerbasis ausstellen ließen, gibt es keine näheren Erkenntnisse, so der Hanfverband.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Apotheken sollen 10.000 Euro im Jahr investieren
„Apotheker unterschätzen ihre Macht“»
Bakterien und Antibiotika
Bayern: Stabile Resistenzlage»
Entourage-Effekt des Hopfens
CBD ohne Hanf»
Apotheken brauchen Support vom Softwarehaus
DAV-Portal: Anbindung beginnt»