Apotheker schafft 100 Tests pro Stunde

Apotheker: Drive-in-Testzentrum irritiert Pharmazierätin

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Corona-Test im Vorbeifahren
Berlin -

Seit knapp einem Monat testet Apotheker Matthias Bußmann seine Kunden an einem Autoschalter auf eine mögliche Corona-Infektion. Bei der Planung des „Drive-in“ in Ahlen musste er kreativ sein, denn konkrete Vorgaben zum Aufbau einer Teststelle gibt es für Apotheker nicht. Als seine Pharmazierätin auf den neuen Service aufmerksam wurde, musste er sich rechtfertigen.

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Bußmann entschied sich für eine „Durchfahr“-Lösung, um die Kontakte so gut es geht zu minimieren. Wenn der Apotheker heute auf die vergangenen vier Wochen zurückblickt, muss er selbst staunen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten seines „Schnellschusses“ sei das Testzentrum zu einem Selbstläufer geworden, sagt er. „Wir sind immer noch da. Ich dachte, ich mache nach 14 Tagen zu, jetzt bin schon bis Ende Februar ausgelastet.“

Bußmann betreibt die Teststelle nicht über seine Apotheke, sondern über seine Firma A.P.O. Beteiligungsgesellschaft. Dadurch sei er rechtlich auf der sicheren Seite. Kritik sei bereits von der Pharmazierätin gekommen. Das Testzentrum habe „Irritationen“ hervorgerufen, sagt der Apotheker. Es gebe jedoch keinen Verstoß gegen die Berufsordnung, betont er. „Das Gesundheitsamt unterstützt uns.“

Laut Pharmazierat Christian Bauer gibt es keine Vorschriften seitens der Kontrolleure: „Ich habe mich damit noch nicht beschäftigt“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands (APD). Im Vorstand habe es dazu keinen Austausch gegeben, auch Apotheken hätten sich nicht mit Fragen gemeldet. Natürlich sei eine räumliche Abschirmung von der Offizin sinnvoll. „Eine Schulung der Mitarbeiter sollte eine Voraussetzung sein.“ Er persönlich halte Apotheken jedoch nicht für die geeigneten Stellen, um die Antigentests durchzuführen. 98 Prozent könnten das räumlich nicht leisten. Darüber hinaus führe die Maskenabgabe bereits zu einer Mehrarbeit. „Wir sind oft die einzige Institution, die noch offen hat und wo Fragen beantwortet werden können.“

Immer wieder fragen Kunden am HV-Tisch nach einem Sars-CoV-2-Schnelltest. Seit Samstag dürfen Gesundheitsämter auch Apotheken mit der Durchführung von PoC-Antigentests beauftragen. Allerdings dürften gerade Inhaber kleinerer Betriebe an ihre Grenzen kommen, da sie die Dienstleistung im Arbeitsalltag nur schwer integrieren können. „Den Auftrag des Gesundheitsamtes kann man auch ablehnen“, sagt Bauer.

 

Die Bundesapothekerkammer (BAK) gibt zwar Empfehlungen zu Arbeitsschutzmaßnahmen für die Durchführung der PoC-Antigentests auf Sars-CoV-2, allerdings finden sich keine konkreten Anweisungen etwa zu den Räumen. Auch die Abda bleibt in ihren Entscheidungshilfen eher allgemein. Auf die Frage, wo die Tests in der Apotheke durchgeführt werden können, heißt es: „Geeigneter Raum mit Testplatz.“

Bußmann errichtete auf einem Parkplatz Zelte. Die Kunden können mit dem Auto vorfahren und werden im Fahrzeug getestet. Es gebe ein „Abstrichzelt“ mit einer reinen und unreinen Seite. Mit Voranmeldung kostet ein Test 35 Euro, ohne 40 Euro. Bezahlt werde mit Hilfe eines selbstgebauten „Pizzaschiebers“, in den die Kunden Bargeld legen können oder das Kartenlesegerät erhalten. Das Ergebnis gibt es etwa eine Stunde später per E-Mail.

Insgesamt 2000 Tests wurden bereits durchgeführt. Schaffen könne er 90 bis 100 Tests pro Stunde. Mittlerweile lassen auch Firmen ihre Mitarbeiter bei Bußmann testen. „An den vergangenen drei Montagen haben wir Handwerker mit Rechnungscoupons durchgeschleust.“ In zwei Betrieben seien Personen positiv getestet worden. „Diese Mitarbeiter sind deshalb nicht auf Baustellen gegangen.“

Mit an Bord ist ein Arzt, der das „Drive-in“-Zentrum leitet. „Das war mir wichtig. Wir testen mit pharmazeutischem und ärztlichem Sachverstand.“ Der Mediziner sei gut vernetzt und habe Medizinisch-Technischen Assistenten (MTA) und Rettungshelfer akquiriert. Auch PTA aus Bußmanns Apotheken helfen im Labor mit und Handballer des lokalen Vereins unterstützen ihren Sponsor ehrenamtlich bei der Logistik.

 

Bußmann würde die Tests in seiner Apotheke nicht durchführen. Wegen der Abstandsregeln sei es bereits eine Herausforderung, alle Kunden zu bedienen, sagt er. Außerdem wolle er seinen Mitarbeitern die Abstriche nicht zumuten.

Kein zweiter Eingang, Treppen und letztlich zu wenig Platz sind weitere Gründe, weshalb Apotheken keine Tests einführen. „Ich finde es jedoch wichtig, dass man es anbieten kann“, sagt Apothekerin Jenny Chow. Die Inhaberin der Reuland-Apotheke in Rheinland-Pfalz versucht Tests umzusetzen, sieht in ihren Betrieben aber räumliche Hürden. „Ich habe mich dennoch bei der Kammer für eine Schulung angemeldet.“ Sie trifft zudem weitere Vorkehrungen und informiert sich über Anbieter von Materialien und Schutzanzügen.

Bußmanns „Drive-in“ hat bereits einen zweiten Standort: In Münster errichtete er einen zweiten Autoschalter. Der Apotheker bedauert, dass er nicht vom Gesundheitsamt beauftragt ist. „Das würde ich mir wünschen, dann könnte ich beispielsweise die Platzkosten abrechnen.“ Reich werde er mit den Tests nicht. „Ich biete sie an, solange sie kostendeckend sind.“

 

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