Baden-Württemberg: Land setzt auf Apotheken

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Berlin - In Baden-Württemberg brauchen Apotheken keine konkreten Aufträge mehr vom Gesundheitsamt, um Antigen-Schnelltests auf Sars-CoV-2 durchzuführen. Denn das Ministerium für Soziales und Integration hat Ende Januar auf Grundlage der Testverordnung des Bundes die Apotheken im Land mit der Durchführung von PoC-Antigentests beauftragt. Damit müssen sich Apotheken nicht mehr um die formale Bestätigung der chronisch überlasteten Gesundheitsämter bemühen.

Diese Beauftragung macht individuelle Vereinbarungen zwischen einzelnen Apotheken und den zuständigen Gesundheitsämtern zukünftig überflüssig. Außerdem können Apotheken, die Antigen-Schnelltests anbieten, nun auch im staatlichen Auftrag einen ortsnahen und niederschwelligen Zugang zur Durchführung von PoC-Antigen-Tests und damit einen wesentlichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten, so der Landesapothekerverband (LAV).

Die Nachfrage nach Antigen-Schnelltests sei ungebrochen hoch. Bis kurz vor Weihnachten durften jedoch nur Hausarztpraxen und Testcenter solche Tests durchführen. Mittlerweile sind auch die Apotheken seit einigen Wochen Teil der nationalen Teststrategie des Bundes. „Viele Apotheken haben sich sehr schnell fit gemacht, ihren Kunden einen Corona-Antigen- Schnelltest anbieten zu können“, so LAV-Vizepräsidentin Tatjana Zambo. Bisang aber nur im Ausnahmefall in wenigen Apotheken möglich war hingegen eine für den Kunden kostenfreie Testung im staatlichen Auftrag. „Nur einige meiner Kolleginnen und Kollegen konnten in der Kürze der Zeit entsprechende Vereinbarungen mit den örtlichen Gesundheitsämtern, die ja auch völlig überlastet sind, schließen“, so Zambo. Oft sei für solche Absprachen schlicht zu wenig Zeit gewesen.

Eine dieser Kolleginnen war Dr. Juliane Iltgen-Breburda. Die Inhaberin der der Kur-Apotheke Kirchzarten betreibt seit Januar das testzentrum Dreisamtal und bietet die Tests bisher als private Dienstleistung an, die der Kunde selbst bezahlt. „Ich bin bereits seit Dezember in Kontakt mit dem Gesundheitsamt, dessen behördliche Beauftragung ist in Freiburg aber sehr schwer zu bekommen“, klagt sie. „Ich habe es auch schon über Landkreis versucht.“ Erst nach Wochen sie ich überhaupt die Rückmeldung bekommen, dass das Gesundheitsamt ihre Anfrage angenommen hat. „Bei den ersten Anfragen hatte ich noch nicht einmal Antworten auf meine E-Mails bekommen“, so Iltgen-Breburda. Das sei besonders ärgerlich, weil die Testzentren schließlich auch die Kapazitäten hätten, Reihentestungen von öffentlichen Einrichtungen vorzunehmen. „Hier kommen Schulleiter mit Testberechtigungsscheinen für ihre Schulen, aber ich muss sie dann noch wegschicken, weil wir keine Beauftragung des Gesundheitsamtes haben“, sagt sie. „Es wäre ein kurzer Aufwand von fünf bis zehn Minuten, das in ein Formular zu packen und zu unterschreiben. Die gesetzliche Grundlage ist doch bereits da!“

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