Interview Kordula Schulz-Asche

„Apotheker brauchen strukturelle Unterstützung“

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Berlin -

Die Grünen sorgen sich um die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln. Deshalb wollen sie nicht länger über das Rx-Versandverbot sprechen, sondern endlich über eine Strukturreform. Apotheker sollen notfalls ihre Apotheke aufgeben und sich in Zentren mit Ärzten zusammentun, schlägt Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC vor.

ADHOC: Die Stunde der Wahrheit naht. Wenn Sie wetten müssten: Bringt Gesundheitsminister Spahn das Rx-Versandverbot doch noch?
SCHULZ-ASCHE: Wir gehen alle davon aus, dass das nicht sein Lieblingsthema ist. Im Grunde will er es nicht. Die ABDA ist nach dem Vorstoß von Ex-Minister Gröhe und dem Koalitionsvertrag natürlich auf dem Thema festzementiert – die können doch gar nicht mehr davon abrücken, da mache ich den Apothekern gar keinen Vorwurf. Diese Blockade muss die Politik selbst lösen. Wenn die Apothekerschaft Pech hat, passiert über vier Jahre lang gar nichts.

ADHOC: Das war lange das, was die ABDA – Honorarforderungen ausgenommen – wollte.
SCHULZ-ASCHE: Wenn wir so weiter machen, dann gibt es irgendwann nur noch Versandhandel und gar keine Apotheken mehr, außer ein paar an großen Ärztehäusern oder Kliniken. Und sonst sind alle tot. Wenn man das ändern will, brauchen wir gerade im ländlichen Raum eine Strukturreform mit Gesundheitsnetzwerken. In solche Zentren müssen die Apotheker von Anfang an miteinbezogen werden, zusammen mit den Hausärzten, den ambulanten Pflegediensten aber auch anderen Gesundheitsberufen wie Physiotherapeuten. Nach Möglichkeit alles konzentriert an einem Standort und wenn die Apotheke woanders ist, soll sie ihren Standort aus der Fußgängerzone eben verlegen oder eine Filiale gründen.

ADHOC: Die Versorgung zentrieren – ist das Ihre Lösung?
SCHULZ-ASCHE: Wir haben einen guten Überblick über die Verteilung der Ärzte. Und die Probleme sind seit 15 Jahren bekannt. Jetzt schließen überall die Einzelpraxen und mit ihnen verschwinden die Apotheken. Die einzige Lösung für den ländlichen Raum sind Gesundheitszentren, wo die Hausärzte mit angestellten Ärzten arbeiten.

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