Engpässe sind Realität

Apotheker bei Bild: „Mir fehlen 710 Medikamente!“

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Berlin -

Von wegen Panikmache: Der Sturm der Entrüstung nach den Unterstellungen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist riesig. Viele Kolleginnen und Kollegen schreiben erzürnte Briefe, an Lauterbach oder auch an Bundeskanzler Olaf Scholz. So auch Dr. Philipp Hoffmann aus Diez in Rheinland-Pfalz. In Kopie setzte er die Bild-Zeitung – und die griff das Thema prompt auf.

„Apotheker laufen Sturm gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (60, SPD)“, beginnt der Beitrag, der heute groß in der Bundesausgabe abgedruckt ist und auch online veröffentlicht wurde. Konkrete gehe es um die Behauptung, „Hiobsbotschaften“ über Engpässe entsprächen „nicht der Lage“. Auch für die Erkältungssaison sei man gewappnet.

„Mir fehlen schon jetzt 710 Medikamente“, schrieb Hoffmann in seinem Brief. „Wir können schon jetzt vor der Grippesaison keine Belieferung der Bevölkerung mehr aufrechterhalten“, wird er im Beitrag zitiert. Abgedruckt ist auch ein Auszug seiner Defekteliste. Auf 17 Seiten seien insgesamt 710 Medikamente aufgeführt, die er üblicherweise auf Lager habe, derzeit aber nicht zu beschaffen seien.

Bereits seit langem schlecht lieferbar seien „sehr viele Antibiotikasäfte für Kinder“, „alle Produkte gegen Schwindel“, „alle Hustenblocker auf Codeinbasis“, „Antibiotika für Erwachsene“, „sehr viele verschreibungspflichtige Augentropfen und -salben“, „Herzmedikamente, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker, Nasenspray, Säureblocker/Magenschutzmittel“, „bestimmte Insuline oder insulinähnliche Produkte“ sowie „einige Asthmasprays“.

Online hat Bild gleich noch eine Umfrage dazugepackt: „Sind Sie auch von den Lieferengpässen betroffen?“ Eine halbe Stunde nach Veröffentlichung hatten bereits knapp 5200 Leserinnen und Leser teilgenommen, zwei Drittel gaben an, dass sie leider betroffen seien.

Strafe für Rezepturen

Und dann räumt Hoffmann noch mit Lauterbachs Behauptung auf, dass Apotheken bei Engpässen auch Rezepturen herstellen können: „Nachdem viele Apotheken letztes Jahr sehr viel Energie in Fiebersäfte reingesteckt hatten, wurden sie hinterher von den Kassen nicht bezahlt.“ Das soll zwar jetzt anders werden, wie Lauterbach versprach. Aber Hoffmanns Fazit ist ernüchternd: „Die bisher beschlossenen Maßnahmen sind leider ein Witz!“

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