Antibiotikaresistenzen

Gröhe: Weniger Antibiotika für Menschen und Tiere

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Berlin -

Einen Antibiotika-Hammer bei Schnupfen, ein Rindersteak aus der Antibiotika gestützten Mast: Erreger bauen so immer mehr Resistenzen gegen diese Medikamente auf. Es muss endlich was geschehen – weltweit. Appelle helfen nicht mehr.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat zu internationalen Anstrengungen gegen den Missbrauch von Antibiotika aufgerufen. Der übertriebene Einsatz dieser Medikamente in der Human- und Tiermedizin steigere die Resistenzen der Erreger und behindere so den Kampf gegen Infektionskrankheiten massiv. Gröhe unterstrich zum Auftakt einer Tagung mit seinen Amtskollegen aus den den sieben führenden Industrienationen (G7), zwischen den Jahren 2000 und 2010 seien die Antibiotika-Resistenzen in der Humanmedizin weltweit um mehr als 35 Prozent gestiegen. Nur in jedem vierten Land gebe es Strategien gegen diese Resistenzen.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sagte, der Kampf gegen Resistenzen werde nur gelingen, wenn Veterinär- und Humanmedizin eng zusammenarbeiteten. Schmidt unterstrich, das Tierwohl hänge sehr von einer artgerechten Haltung ab. Dann müssten auch weniger Antibiotika eingesetzt werden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) forderte die Regierung auf, ihre G7-Präsidentschaft zu nutzen, um die Probleme endlich entschiedener anzugehen. Deutschland hat noch bis Jahresende den Vorsitz in der G7-Gruppe inne.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Problem der Antibiotika-Resistenzen auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau zum Thema gemacht. Zur Fortsetzung der Beratungen auf Ministerebene lud Gröhe nun seine Amtskollegen zu zweitägigen Beratungen nach Berlin ein, an denen auch WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan teilnimmt.

Neben dem Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen in der Humanmedizin und in der Tiermast sollen die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika und alternativer Therapiemethoden vorangetrieben werden. Von den 20 größten Pharmakonzernen, die in den 1990er Jahren in der Antibiotika-Forschung aktiv waren, waren 2014 nur noch vier in diesem Bereich tätig, hieß es.

Am Freitag wollen die Ressortchefs über Konsequenzen aus der Ebola-Krise in Westafrika beraten. Parallel zu den Gesundheitsministern kommen auch die G7-Wissenschaftsminister zusammen. Ziel ist es, die Forschung auf den gesamten Bereich der armutsbedingten Infektionskrankheiten auszuweiten.

Um besser auf künftige Krisen vorbereitet zu sein, sollen unter anderem die Gesundheitssysteme in den Entwicklungsländern sowie die internationalen Institutionen gestärkt werden. Die WHO müsse als Wächter der globalen Gesundheit reformiert werden. Der WHO wurde unter anderem vorgehalten, viel zu spät auf die Ebola-Krise in Westafrika reagiert zu haben.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die als einzige sehr schnell auf Ebola reagierten, forderte die Ministerrunde in Berlin auf, endlich eine effiziente Epidemie-Bekämpfung und Forschungsfonds zu beschließen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte: „Eine Vorreiterrolle übernimmt Deutschland beim Kampf gegen multiresistente Keime bisher nicht.“

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