Hartmannbund

Ärzte streiten über Fernbehandlung Lothar Klein, 27.03.2018 13:01 Uhr

Berlin - Im Mai will der Deutsche Ärztetag das Fernbehandlungsverbot kippen. Dazu soll die Berufsordnung geändert werden. Dann wäre der Weg frei für Telesprechstunden, auch wenn der Arzt den Patienten nicht persönlich kennt. Doch jetzt regt sich Widerstand dagegen. In einer Umfrage des Hartmannbundes lehnten eine klare Mehrheit der Ärzte Fernbehandlungen ab.

Als einen „deutlichen Fingerzeig“ hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, dieses Ergebnis gewertet. Rund 60 Prozent der über 3800 Umfrageteilnehmer hatten sich skeptisch gegenüber Plänen der Bundesärztekammer geäußert, auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt das Fernbehandlungsverbot weiter zu lockern. „Das Ergebnis zeigt – vor allem auch mit Blick auf zahlreiche Kommentierungen der Teilnehmer – dass es nicht nur zum Thema Digitalisierung im Allgemeinen, sondern offenbar ganz konkret auch zur Online-Behandlung noch ein hohes Maß an Diskussions- und Aufklärungsbedarf gibt“, sagte Reinhardt.

62 Prozent der befragten Ärzte sagten, mit Fernbehandlungen werde „eindeutig eine Grenze überschritten und wir sind gut beraten, dies auch deutlich zu machen“. Die Ablehnung der Fernbehandlung war bei niedergelassenen Ärzten mit 69 Prozent am größten vor den Klinikärzten mit 61 Prozent. Etwas offener zeigten sich die Medizinstudierenden: Hier lehnten „nur 58“ Prozent die Fernbehandlung ab.

Gerade diejenigen, die vor allem auch an die Chancen der Digitalisierung glaubten und an die Unvermeidlichkeit, sich dieser Entwicklung aktiv zu stellen, müssten alle Anstrengungen unternehmen, sich mit berechtigten Einwänden und Bedenken der Kollegen auseinanderzusetzen. Dies dürfe angesichts der Dynamik der Entwicklung allerdings nicht auf die lange Bank geschoben werden, wollten Ärzte Mitgestalter sein und nicht Getriebene. „Die Politik sitzt uns im Nacken“, sagte Reinhardt – nicht zuletzt mit Hinweis auf entsprechende Ankündigungen von Gesundheitsminister Jens Spahn.

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