Direktvertrieb für Biotech-Arzneimittel

13.000 Euro: Hersteller verlangt Vorkasse APOTHEKE ADHOC, 09.10.2020 10:44 Uhr

Berlin - Das Pharmaunternehmen Vertex ist ein Spezialhersteller für teure Biotech-Arzneimittel gegen Cystische Fibrose (CF). Vertex liefert seine Produkte nur im Direktvertrieb, und zwar über die Bertelsmann-Tochter Arvato. Für eine Monatsdosis Orkambi verlangt Vertex 13.000 Euro – und fordert von den Apotheken Vorkasse. Das sorgt für Ärger und passt nur schwer zum Eigenlob des Herstellers über gesellschaftliche Verantwortung.

In den vergangenen Tagen erreichte Apotheken folgende Nachricht von Arvato im Auftrag von Vertex: „Gerne informieren wir Sie hiermit über die Änderung der Zahlungsbedingung auf Vorkasse. Bei zukünftigen Bestellungen erhalten Sie eine Proformarechnung. Damit wir die bestellte Ware versenden können, bitten wir Sie diese Rechnung auszugleichen. Sobald die Zahlung verbucht werden konnte, erhalten Sie von uns eine Auftragsbestätigung. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“

Apotheker Dr. Arnold Hertzsch von der Augustus-Apotheke ist empört und kann sich das nicht leisten. Deshalb muss er seine Patienten jetzt in eine andere Apotheke schicken. Hertzsch schrieb an Vertex: „Ihre bisherigen Zahlungsbedingungen sind 1 Monat nach Rechnungseingang. Wir werden die von Ihnen am 25.09.2020 eingegangene Ware im Wert von 19.938,78€ pünktlich bezahlen.“

Da auch seine Apotheke von der Insolvenz des Rechenzentrums AvP betroffen sei und aus dem „Privatvermögen eine hohe fehlende fünfstellige Summe“ ergänzt werden müsse, „sehen wir keine Möglichkeit, Ihre Ware für circa 20.000 Euro zukünftig monatlich vor der Aussendung einer Bestellbestätigung zu bezahlen. Sie kennen unsere magere Gewinnspanne von 3 Prozent plus 8,10 Euro und das Risiko einer Retaxation auf Null seitens der KKH. Mit dieser Unsicherheit kann ich nicht in Vorkasse gehen.“

Hertzsch hält ein Zahlungsziel von sieben Tagen nach Eingang der Ware für angemessen, zumal andere Firmen im Direktgeschäft sogar Skonto gewährten. Eine andere Möglichkeit sei eine Bezugsmöglichkeit über den Großhandel. Dies sei bekanntlich sogar gesetzlich vorgeschrieben. Eine Alternative sei auch das Vorweisen einer Bankbürgschaft, die er sofort vorweisen könnte. Aber einfach so in Vorkasse zu gehen, sei ihm unmöglich: „Aus diesem Grund müssen wir, obwohl ich das eigentlich ethisch nicht vertreten kann, den Patienten an eine andere Apotheke verweisen“, so der Apotheker. „Bitte überdenken Sie diese auch und gerade für den sehr schwer kranken Patienten unseriöse und unethische Handlungsweise.“

Auch Apotheker Dr. Axel Pricken von der Apotheke am Gätenbach in Neubrandenburg ist empört über die Umstellung der Zahlungsbedingungen: „Die Bedingung einer Vorkasse ist unverschämt, glücklicherweise bin ich nicht von der AvP-Insolvenz betroffen, sonst würde gar nichts mehr gehen. Alle vorherigen Rechnungen haben wir zwar ohne Skonto – wurde nicht angeboten – jedoch pünktlich bezahlt. Der Firma habe ich mitgeteilt, dass ich mit diesen Bedingungen nicht einverstanden bin. Ob ich dann mit einem grundsätzlichen Lieferstopp versehen werde?“

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