Selbstmedikation

1 € ausgeben, 17 € sparen APOTHEKE ADHOC, 13.06.2018 15:22 Uhr

Berlin - Was der Patient selbst bezahlt, schont das Budget der Kassen. Nach dieser Logik waren OTC-Medikamente 2004 komplett aus dem Leistungskatalog gestrichen worden – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Doch die Selbstmedikation führt aus volkswirtschaftlicher Sicht zu Einsparungen weit über die Kosten hinaus. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) durchgeführt wurde.

Während der Patient von früher noch ein Leistungsempfänger war, nimmt der mündige und aufgeklärte Patient von heute seine Gesundheit selbst in die Hand. Ein OTC-Switch könne die Therapieoptionen erweitern und das Gesundheitssystem massiv entlasten, sagte BAH-Vize Dr. Traugott Ullrich bei der Switch-Konferenz seines Verbands in Berlin. Jeder Euro, der in der Selbstmedikation ausgegeben wird, spart laut Ullrich 17 Euro im Gesamtsystem.

Cosima Bauer von der Beratungsfirma May + Bauer rechnete vor: Angenommen, die Zahl der ärztlich behandelten Bindehautentzündungen gehe infolge der Entlassung aus der Verschreibungspflicht um 30 Prozent zurück, würden die Arzneimittelkosten im Bereich der Selbstmedikation etwa 11 Millionen Euro betragen. Die Kassen sparten im Gegenzug etwa 18 Millionen Euro Arzneimittelkosten und etwa 37 Millionen Euro an Behandlungskosten. Hinzuzurechnen seien indirekte Einsparungen etwa im Zusammenhang mit Ausfalltagen von etwa 17 Millionen Euro.

Patienten seien bereit, Kosten aus eigener Tasche zu übernehmen, wenn sie dafür einen niederschwelligen Zugang bekämen, also nicht in der Praxis warten, sondern frühzeitig mit der Therapie beginnen könnten, so Ullrich. Die starke Individualisierung müsse zukünftig in der Arzneimittelversorgung berücksichtigt werden. „Am Ende des Tages geht es um Menschen und Beschwerden“, sagt Ullrich.

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