Vorsicht bei Novaminsulfon und ASS 100

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Berlin - Novaminsulfon und niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) sind häufig verordnete Arzneimittel in Deutschland, die tagtäglich über den HV-Tisch gehen. Laut Fachinformation kann bei gleichzeitiger Anwendung die Wirkung von ASS auf die Thrombozytenaggregation vermindert werden. Doch ist die Wechselwirkung im Alltag von Bedeutung? Viele Fragen bleiben offen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) fordert Studien mit größeren Patientenzahlen, um die klinische Relevanz besser beurteilen und evidenzbasierte Empfehlungen für die Praxis ableiten zu können.

Von einigen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Indometacin und Naproxen ist bekannt, dass sie die ASS-Wirkung auf die Thrombozytenaggregation behindern können, da sie mit ASS um die Bindung an die Cyclooxygenase-1 (COX-1) konkurrieren. Gilt das auch für Novaminsulfon? Aus In-vitro-Studien weiß man, dass auch das Pyrazolonderivat beziehungsweise seine aktiven Metabolite die Thrombozytenaggregationshemmung aufheben können, obwohl der auch als Metamizol bekannte Wirkstoff wahrscheinlich über einen anderen Mechanismus als NSAR die Cyclooxygenasen inhibiert. Ergebnisse einer Kohortenstudie mit einem kleinem Patientenkollektiv mit koronarer Herzkranheit zeigten hingegen, dass eine zeitliche Verzögerung der Einnahme beider Arzneimittel zum Erhalt der ASS-Wirkung führte.

Bei einer weiteren Beobachtungsstudie mit 72 KHK-Patienten erhielten die Studienteilnehmer ASS 100 oder ASS 100 plus Novaminsulfon. Der kombinierte Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod aus kardiovaskulärer Ursache trat nach einer medianen Beobachtungszeit von 3,2 Jahren signifikant häufiger in der Novaminsulfon-Gruppe auf. Allerdings ist die Untersuchung nicht sehr aussagekräftig, da es kein Matching und keine Adjustierung hinsichtlich der Risikofaktoren gab. Außerdem erhielten in beiden Gruppen jeweils 75 Prozent der Patienten nicht nur ASS 100, sondern zusätzlich einen weiteren Thrombozytenaggregationshemmer.

Eine weitere Studie untersuchte die pharmakodynamische Reaktion auf ASS bei mit Novaminsulfon behandelten 41 Patienten, die zuvor einen ischämischen Schlaganfall hatten. Diese erhielten ebenfalls entweder ASS 100 oder ASS 100 plus Novaminsulfon. Die Wissenschaftler beobachteten bei 62 Prozent der Patienten aus der Novaminsulfon-Gruppe ein gestörtes Ansprechen auf ASS.

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