Thrombozytenaggregationshemmung

Schlangengift statt ASS Deniz Cicek-Görkem, 11.08.2017 12:05 Uhr

Berlin - Arzneimittel zur Blutverdünnung gibt es reichlich. Der Nachteil dieser Substanzen liegt insbesondere in der erhöhten Blutungsneigung. Forscher der National Taiwan University in Taipei haben einen neuen Wirkstoff aus einem Schlangengift entwickelt, der eine Thrombozytenaggregation ohne die gefürchtete Nebenwirkung ermöglicht.

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Tur-Fu Huang hat in einer Studie mithilfe chromatographischer und biochemischer Methoden eine Hexa-/Decapeptid-Untereinheit (Troα6/Troα10) des Proteins Trowaglerix aus dem Toxin der Tempelotter (Tropidolaemus wagleri) synthetisiert und im Hinblick auf die Thrombozytenaggregation untersucht. Aus früheren Studien war bekannt, dass das Gift zu Thromben führt, in dem es die Aggregation der Thrombozyten stimuliert. Trowaglerix interagiert mit dem Kollagenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI), das auf der Oberfläche der Thrombozyten vorkommt und eine bedeutende Rolle bei der Kollagen-induzierten Aktivierung und Aggregation der Blutplättchen spielt.

Die Wissenschaftler um Huang fanden bisher heraus, dass Thrombozyten, die kein GPVI exprimieren, keine Thromben ausbilden und folglich auch nicht mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen. Dies ist bei Menschen der Fall, bei denen der Rezeptor aufgrund einer Genmutation nicht mehr in der Lage ist, die Thrombozytenaggregation zu aktivieren. Die bisherigen Erkenntnisse führten daher zur Hypothese, dass eine Hemmung von GPVI die Bildung von Blutgerinnseln verhindern könnte – ohne das Risiko der unerwünschten Wirkung.

Die im Fachjournal „Arteriosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology“ veröffentlichten, aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass die Derivate des Schlangenproteins (Troα6/Troα10) eine antithrombotische Wirkung haben, in dem sie als GPVI-Hemmer fungieren. Im Mausmodell konnten die Forscher beobachten, dass die Bildung von Blutgerinnseln signifikant verlangsamt wurde, ohne die Blutungszeit zu verlängern. Auch in Tests mit Humanblut kam es nicht zur Verklumpung.
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