Mit einer Anfrage an die Bundesregierung wollen verschiedene Abgeordnete klarmachen, wie schlecht es um die Versorgung mit Quetiapin steht. Im Fokus stehen unter anderem die Fragen, warum das Frühwarnsystem zu Lieferengpässen versagt und die gesundheitlichen Risiken, die den Patienten drohen, wenn wichtige Medikamente nicht besorgt werden können.
Im vergangenen Jahr tagte der Beirat zu Liefer- und Versorgungsengpässen. Unter anderem wurde die Versorgungslage von Quetiapin bewertet. Die Expert:innen kamen zu dem Schluss, dass zwar Engpässe bekannt seien, aber die grundsätzliche Versorgung nicht beeinträchtigt sei. Das sehen einige Abgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) und auch Apothekeninhaber:innen ganz anders.
Das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) sollte eigentlich die Rettung für die deutsche Medikamentenversorgung sein. Besonders bei dem psychotropen Wirkstoff Quetiapin in Retardformulierungen klaffen massive Versorgungslücken, die teils bis weit ins Jahr 2026 prognostiziert werden. Während das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zwar Datenbanken pflegt und Listen führt, scheinen die Instrumente des Gesetzes bei versorgungsrelevanten Psychopharmaka ins Leere zu laufen, beklagt die AfD-Fraktion und nimmt die Bundesregierung nun in die Pflicht.
Die Anfrage umfasst 18 detaillierte Einzelfragen, die sich im Kern um folgende Themen drehen:
Auch eine Inhaberin aus Sachsen stellt fest: „Quetiapin ist seit Monaten nicht mehr verfügbar, insbesondere die Retard-Form.“ Sie beklagt, dass „die Patienten hier wirklich allein gelassen werden“. Denn: „Das Problem ist, dass man nicht einfach mit anderen Stärken versorgen kann, da die Tabletten nicht dosisgleich teilbar sind.“
Oft müsse mit kleinen Packungen gestückelt werden. Mehr noch: „Rücksprachen mit Arztpraxen sind massiv zeitaufwendig, da man niemanden erreicht“, so die Inhaberin. Auch über die verschiedenen Kommunikationswege sei keine schnelle Lösung möglich. „Per KIM können viele Praxismitarbeitende nicht kommunizieren und ans Telefon geht keiner ran.“ Per Fax müsse man mit Verzögerungen von mehr als 24 bis 48 Stunden rechnen, bis eine Rückmeldung eintrifft. „Schreiben wir eine Mail, bekommen wir häufig nur eine Lesebestätigung. Aber eine Rückmeldung kommt in den seltensten Fällen“, erklärt sie.
Das sei besonders ärgerlich, wenn die Verordnungen aus der Klinik kommen und es sich um Neueinstellungen der Patienten handle. Denn: „Den Chefarzt, der das Rezept ausgestellt hat, erreicht man gar nicht.“ Wenn dann würde man nur seine Sekretärin ans Telefon bekommen. „Die kann einem aber auch nicht weiterhelfen“, so die Inhaberin.
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