Meningokokken – tödlich und vermeidbar

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Berlin -

Bei Meningokokken handelt es sich um Bakterien, die binnen weniger Stunden zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen können. Dennoch: Die Impfquote in Deutschland ist ausbaufähig. Dabei übernehmen mittlerweile einige KV-Regionen die Kosten für den Impfstoff, sodass Eltern nicht mehr in Vorleistung gehen müssen.

Generell kann an einer Meningokokken-Infektion jeder erkranken, doch am häufigsten infizieren sich Säuglinge im ersten Lebensjahr, Kleinkinder und auch Jugendliche. Die Bakterien werden über Tröpfcheninfektion übertragen. Auch eine Ansteckung über eine Schmierinfektion ist möglich. Der Beginn der Erkrankung setzt plötzlich ein. In den meisten Fällen kommt es zu einer schnellen Verschlechterung. Zu den Symptomen gehören Hautausschlag, Hirnhautentzündung und Sepsis. Es kommt zu einer schmerzhaften Nackensteifigkeit und Erbrechen.

Zu Beginn sind aufgrund der diffusen Symptome Fehldiagnosen möglich. Als Leitsymptom der Meningitis gilt der fleckige Hautausschlag. Tritt dieser auf, ist die Krankheit schon fortgeschritten. Eine unbehandelte Infektion kann binnen 24 bis 48 Stunden zum Tod führen.

Intensivmedizinische Behandlung nötig

Im Rahmen der Veranstaltung „Meningitis & Sepsis: Schwerwiegend, aber durch Impfung vermeidbar!“ wiesen die beiden Kinderärzte Dr. Christof Metzler und Ralph Köllges darauf hin, wie schnell sich der Zustand erkrankter Kinder verschlechtern kann. „Bei der Meningitis handelt es sich um eine akute und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung mit hoher Sterblichkeit. Trotz einer intensivmedizinischen Versorgung verstirbt einer von zehn Patienten“, berichtet Metzler.

Eine Infektion kann mittels Impfung zuverlässig verhindert werden. Dabei wissen viele Eltern nicht, dass eine Meningokokken-C-Impfung nicht automatisch auch gegen Meningokokken des Stammes B schützt. Dabei ist die Serogruppe B in Deutschland aktuell diejenige, die am häufigsten vorkommt.

Eine Impfung gegen den Untertyp-C wird standardmäßig von den Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen übernehmen die Meningokokken-B-Impfung bereits. „In sieben KV-Regionen haben wir bereits eine Kostenübernahmevereinbarung“, berichtet Apothekerin Tanja Fath, die aktuell für den Bereich Erstattung bei der Barmer zuständig ist. Einige Krankenkassen, darunter die AOK Niedersachsen und einige BKKen, zahlen beispielsweise nur einen prozentualen Anteil von 80 Prozent.

Der Pharmahersteller GSK hat unterschiedliche Impfstoffe gegen Meningokokken im Portfolio. Bexsero ist ein Impfstoff speziell gegen den Untertyp-B. Zuletzt gab die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ihr positives Votum für die Anpassung der Fachinformation, sodass der 2+1 Impfstoff nun bereits bei Säuglingen ab zwei Monaten verabreicht werden darf.

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