Krebstherapie: Aprikosenkerne statt Chemo?

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Berlin -

Krebs besiegen mit bitteren Aprikosenkernen? Wenn es nach diversen Gesundheitsseiten geht, sind die Kerne ein Wundermittel. Auch gibt es vermeintliche Anwender, die den Gebrauch zur Prophylaxe gegen Tumorerkrankungen anpriesen. Was steckt dahinter?

Bittere Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, ein cyanogenes Glykosid, das auch in Apfelkernen und Bittermandeln vorkommt. Es wird auch fälschlicherweise Vitamin B17 genannt. Allerdings ist diese Bezeichnung irreführend, denn die Substanz ist für den menschlichen Stoffwechsel kein essenzieller Stoff. Amygdalin wird in der Alternativmedizin als das Krebsmittel schlechthin angepriesen. Die Anwendung kann laut naturheilkundlicher Lehre peroral oder intravenös erfolgen. Als „Krebsprophylaxe“ soll die betroffene Person etwa einen Kern pro fünf Kilo Körpergewicht einnehmen. Bei Krebspatienten sollen es etwa 50 Stück sein, speziell Brustkrebspatientinnen könnten es 80 Kerne sein.

Einen wissenschaftlich fundierten Nachweis für die therapeutischen Wirksamkeit gibt es nicht. Vielmehr ist die Applikation mit Risiken verbunden, denn Amygdalin wird enzymatisch in Benzaldehyd, Glucose und Blausäure (HCN) gespalten. Letzteres hemmt die Atmungskette; in der Folge kann es zu einer Cyanidvergiftung kommen. Bei kleinen Dosen kann der Körper die Cyanid-Ionen mithilfe der Rhodanase zu Rhodanid entgiften und dann ausscheiden.

Bei einer Akutvergiftung reichen die körpereigenen Detoxifikationsmechanismen jedoch nicht aus. In solchen Fällen werden Antidote eingesetzt. Zu den Symptomen einer Intoxikation gehören unter anderem Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Krämpfe und Ohnmacht. Im schlimmsten Fall kann die Einnahme tödlich enden.

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