Kartoffeln, Nudeln und Hülsenfrüchte

Fettleber: Resistente Stärke als neuer Therapieansatz

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Berlin -

Unter einer Fettleber oder Leberproblemen leiden laut Schätzungen von Krankenkassen und Ärzt:innen rund fünf Millionen Deutsche. Dabei bekommen auch immer mehr stark übergewichtige Kinder die Diagnose nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFL). Da die Erkrankung vorerst keine Beschwerden verursacht, ist eine frühe Diagnose essenziell. Laut Studienergebnissen könnte resistente Stärke als Präbiotikum ein neuer Therapieansatz sein.

Die NAFL wird als eine erhöhte Fettinfiltration, in der Leber bei Personen, die keinen oder wenig Alkohol trinken, definiert. Allein in Deutschland ist etwa jeder vierte Einwohner oder Einwohnerin über 40 bereits betroffen, die Tendenz ist dabei nicht nur hierzulande steigend. Expert:innen vermuten, dass im Jahr 2025 etwa 55 Millionen US-Amerikaner und Europäer an einer nicht-alkoholischen Leberentzündung leiden. Umso wichtiger sind neue Therapieansätze.

Zur Behandlung der NAFL könnte zukünftig resistente Stärke als Präbiotikum eingesetzt werden. In einer klinischen Ernährungsstudie konnte ein internationales Forschungsteam des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ der Universität Jena, des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Hans-Knöll-Institut sowie des Shanghai Sixth People’s Hospital herausfinden, dass eine speziell abgestimmte Ernährungsform mit resistenter Stärke nicht nur das Darmmikrobiom positiv beeinflusst, sondern auch den Krankheitsverlauf mildert. Die positiven Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.

Resistente Stärke wirkt positiv

„Wir haben festgestellt, dass die Studienteilnehmenden von einer Ernährung mit resistenter Stärke profitieren, da sich die Fettansammlung in der erkrankten Leber reduziert hat. Darüber hinaus konnten wir bei den Teilnehmenden einen Anstieg bestimmter Bakterienarten im Darm beobachten, die den Fettabbau und -transport in der Leber positiv beeinflussten. Außerdem deuten reduzierte NAFLD- und Entzündungsbiomarker auf eine Linderung der Leberschädigung hin“, so Studienleiter Gianni Panagiotou.

Resistente Stärke entsteht durch das Abkühlen gekochter stärkehaltiger Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Reis und Nudeln. Das Lebensmittel gehört zu den Ballaststoffen und ist beispielsweise auch in Hülsenfrüchten und Brot enthalten. Die unverdaulichen Fasern haben eine präbiotische Wirkung im Darm: „Wir fanden heraus, dass sich die Menge an nützlichen Bakterien erhöht, wenn resistente Stärke im Dickdarm von Mikroorganismen verstoffwechselt wird. Gleichzeitig sinkt die Zahl der schädlichen Bakterien“, so Erstautor Yueqiong Ni. „Dies führt zu einem ausgeglicheneren Darmmikrobiom und hat grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit.“

Faustgroße Menge zu jeder Mahlzeit

Die Forscher:innen analysierten über einen Zeitraum von vier Monaten Serum- und Stuhlproben von 200 Proband:innen und konnten belegen, dass sich der Gehalt einer bestimmten Mikrobenart umso deutlicher erhöht, je schwerwiegender die Fettleber-Erkrankung ausfällt. „In unserer Studie konnten wir zeigen, dass Bacteroides stercoris bei den Probandinnen und Probanden nach dem Verzehr von 40 Gramm resistenter Stärke pro Tag in geringerer Menge auftrat", zeigt Co-Autorin Huating Li auf. Das Fazit der Wissenschaftler:innen: „Es ist ratsam, zu jeder Mahlzeit eine faustgroße Menge gesunder Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, die von Natur aus resistente Stärke enthalten, um die Fettleber zu lindern.“

Für konkrete Ernährungsempfehlungen fehlen laut der „American Association for the Study of Liver Diseases“ Daten weiterer Studien. Bisher gibt es für die betroffenen Patientinnen und Patienten noch keine zugelassene medikamentöse Therapie. In erster Linie wird aber auf eine Lebensstil-Veränderung mit mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung gesetzt.

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