Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa & Co.

Covid-19 und chronische Darmerkrankungen Alexandra Negt, 16.04.2020 14:58 Uhr

Berlin - Für Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die aktuell eine Therapie mit Immunsuppressiva durchführen, stellen sich beim Thema Corona zahlreiche Fragen. Häufig vermuten die Patienten, dass die Medikamente das Infektionsrisiko so weit erhöhen, dass es sicherer wäre die Präparate abzusetzen.  Gastroenterologen warnen jedoch vor einem Therapieabbruch: Patienten, die eine laufende immunsupprimierende Therapie absetzen, riskieren einen Schub. Dieser könnte dann womöglich eine viel intensivere Behandlung benötigen – der Körper wird zusätzlich geschwächt. Durch diese kurzzeitige intensive Therapie höheren Infektanfälligkeit führt.

Die Diagnose „chronisch entzündliche Darmerkrankung“ allein bedeutet nicht, dass die körpereigene Abwehr gegenüber eines viralen Infektes so sehr geschwächt ist, dass Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa zu einer Risikogruppe gehören. Die Grunderkrankung steigert das Infektionsrisiko nicht. Das Infektionsrisiko kann sich aber durch einige Therapien erhöhen. Generell sei auch eine vorliegende Mangelernährung ein potentieller Risikofaktor – ist der Organsimus nicht ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt, so könnte das Immunsystem generell geschwächt sein. Bei starker Malabsorption, insbesondere bei schweren Formen des Morbus Crohn, sollten Betroffene gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt über eine sinnvolle Supplementierung sprechen.

Zu den häufig eingesetzten immunsuppressiven Medikamenten zählen Kortisone, Azathioprin, TNF-Antikörper und andere Biologika. Die Wirkstoffe steigern die Infektanfälligkeit im unterschiedlichen Maße. Von einem eigenständigen Therapieabbruch raten Gastroenterologen und Fachgesellschaften, wie die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV), ab. Denn ein Therapieabbruch könne immer einen Schub begünstigen. Dieser muss unter Umständen mit anderen Medikamenten oder in höherer Dosierung therapiert werden – der Organismus wird zusätzlich geschwächt und das Infektionsrisiko steigt.

Die DCCV gibt zu bedenken, dass es bisher keine gesicherten Informationen zu den angewendeten Therapien und ihrer Auswirkung auf die Ansteckung mit Sars-CoV-2 gibt. Auch über den Krankheitsverlauf von Covid-19 bei Patienten mit chronisch entzündlichen darmerkrankungen sei bisher wenig bekannt. Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Informationen bleiben somit aktuell viele Fragen offen. Inwieweit Medikamente wie Azathioprin & Co. sich auf eine Corona-Infektion auswirken ist noch nicht bekannt – Mediziner können nur auf Erfahrungen bei anderen Viruserkrankungen zurückgreifen. Ob ein Therapiewechsel oder -abbruch angezeigt ist, sollten die Patienten immer mit dem behandelnden Arzt klären.

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