Virologe: Schulschließungen „absolut alternativlos“

, Uhr aktualisiert am 13.03.2020 13:52 Uhr

Berlin - Auf bundesweite Schließungen von Schulen und Kitas konnten sich Bund und Länder nicht einigen. Man habe sich auf die Möglichkeit verständigt, regional, je nach Ausbruchsgeschehen des Coronavirus zu reagieren, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Gesprächen mit den Ministerpräsidenten in Berlin sagte. Dennoch greifen schon sieben Länder zu dieser Maßnahme. Experten halten sie für unerlässlich, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Schulen und Kindergärten in ganz Deutschland sollten nach Ansicht des Virologen Alexander Kekulé geschlossen bleiben, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Bundesweite Schließungen seien seiner Meinung nach „absolut alternativlos“, sagte er am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Jedes infizierte Kind würde statistisch gesehen zwei bis drei andere Kinder anstecken. Das würde eine „Infektionslawine“ auslösen, die nur schwer zu stoppen sei.

Kekulé kritisierte: „Die Politik läuft hier leider seit Wochen der Entwicklung hinterher.“ Die gemeldeten Zahlen zu Infizierten würden nur einen Stand von vor zehn Tagen wiedergeben. Grund sei die Inkubationszeit des Virus Sars-CoV-2 einerseits, sowie die Zeit, die bis zur Diagnose vergehe andererseits. Deshalb forderte Kekulé „proaktives Handeln“ von den Verantwortlichen. Als Beispiel nennt er den Sonderurlaub von bis zu zehn Tagen pro Jahr, den Eltern nehmen können, wenn ihr Kind krank ist. Die Bundesregierung solle klarstellen, dass Eltern diesen Urlaub auch für die Quarantäne nehmen könnten.

Der frühere Präsident der Bundesärztekammer und heutige Vorsitzende des Weltärztebundes, Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery, hält dagegen nichts von flächendeckenden Schulschließungen. Im RBB-Inforadio sagte er am Freitag: „Flächendeckende Schulschließungen machen in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, weil die Folgeprobleme bei Familie, bei Krankenhäusern [und] bei allen anderen einfach viel größer sind.“

Montgomery sprach sich stattdessen für regionale Schulschließungen aus, in Gebieten, in denen die Krankheit verstärkt auftritt.
„Regionale Schulschließungen – dort wo Cluster von Infektionen sind, oder [...] wo es nicht kontrollierbare Grenzen mit dem Zufluss von Infizierten gibt – machen Sinn.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstagabend gesagt, Menschen sollten wo immer möglich auf Sozialkontakte verzichten. Eine vorübergehende Schließung von Kindergärten und Schulen etwa durch das Vorziehen der Osterferien sei eine Option. Die Situation in Deutschland sei unterschiedlich. Merkel sprach von einem „dynamischem Ausbruchsgeschehen“. Nach „Maßgabe der Dinge“ würden es nach und nach mehr Regionen sein. Man müsse damit rechnen, dass das Infektionsgeschehen vor keiner Region haltmache. Die ersten Bundesländer ziehen derzeit Konsequenzen.

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