Apotheker hoffen auf OTC-Touristen | APOTHEKE ADHOC
Schweiz/Deutschland

Apotheker hoffen auf OTC-Touristen

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Berlin -

Kunden aus der Schweiz sind für deutsche Apotheken im Grenzgebiet seit jeher eine wichtige Klientel. Seit die Nationalbank in Zürich in der vergangenen Woche den Frankenkurs frei gegeben hat, ist die Währung nach oben geschnellt. Eidgenossen bekommen in Deutschland jetzt 20 Prozent mehr für ihr Geld. Medien berichten von tausenden Kunden, die über die Grenze in die deutschen Einkaufszentren stürmen. Auch die Apotheker hoffen auf Zusatzgeschäft.

„Die Apothekendichte war in Grenznähe schon immer höher. Wir leben von den Schweizern“, sagt Daniel Hölzle, der die Avie-Apotheken in Singen und in Konstanz leitet. In Center-Apotheken direkt an der Grenze sei jeder zweite Kunde aus der Schweiz, in Innenstadt-Apotheken in Konstanz etwa jeder dritte, schätzt er. Der starke Franken habe die Entwicklung verstärkt. „Das ist für die Apotheken ein Thema“, sagt Hölzle – auch wenn es einen Hype, wie in den Medien beschrieben, in Apotheken nicht gegeben habe.

„Der Kurswechsel hat auch einen direkten Einfluss auf den Handel in der Schweiz. Alles was importiert wird, etwa Lebensmittel, kann auch im Land 20 Prozent billiger angeboten werden. Das dämpft den Gesamteffekt“, erklärt Hölzle. Allerdings seien gerade OTC-Präparate nach wie vor attraktiv, da die Preise hier weniger volatil seien: „Der Weg über Grenze ist bei Apothekenwaren reizvoller als bei Lebensmitteln.“

Deshalb geht Hölzle davon aus, dass sich der Einkaufstourismus in Apotheken in den kommenden Wochen verstärken wird. Eine Einschränkung sieht er doch: Kunden besuchten die Apotheke in der Regel, wenn sie ohnehin auf Einkaufstour seien. „Allein für 6 Euro Ersparnis bei Voltaren lohnt sich die Fahrt nicht“, so Hölzle.

Im Schweizer Biersfelden werden bislang noch keine Kunden vermisst. „Längerfristig wird es aber wohl eine Abwanderung geben – vor allem im Kosmetikbereich und bei Nahrungsergänzungsmitteln, weniger bei Medikamenten“, sagt Hanspeter Steiner von der Hard-Apotheke. Das liege vor allem daran, dass in Deutschland und der Schweiz nicht dieselben Produkte vermarktet würden: „Man kauft die Marken, die man kennt.“ Im Rx-Bereich gebe es besondere Regularien, sodass aus seiner Sicht vor allem Apotheken mit einem größeren OTC- und Freiwahlanteil Kunden verlieren werden.

In anderen Apotheken in der Region geht man nicht davon aus, das der starke Franken die Kunden ins Nachbarland zieht: „Ich glaube nicht, dass die 20 Prozent Abschlag noch viel mehr Leute erreichen. Die Kunden, die darauf Wert legen, sind uns schon vor Jahren untreu geworden, als der Kurs sehr stark war“, so ein Angestellter einer großen Kette, der namentlich nicht genannt werden will.

Die deutschen Apotheker beobachten die Entwicklung dennoch aufmerksam: „Die Veränderung merkt jeder im Grenzgebiet“, sagt Renate Hartmann von der Apotheke im Kaufland in Rheinfelden. Bei einem nahe gelegenen Kaufhaus habe es am vergangenen Samstag immerhin einen solchen Ansturm gegen, dass Parkeinweiser notwendig gewesen seien. Einen solchen Andrang habe es bei ihr nicht gegeben, allerdings registriere auch sie seit der Währungsfreigabe mehr Kunden aus dem Nachbarland.

„Der große Ansturm“ ist auch in der Zeiserschen Apotheke in Laufenburg (Baden) ausgeblieben. Inhaber Andreas Abel hatte mehr erwartet. Er geht davon aus, dass etwa an Feiertagen oder zum Monatsende, wenn die Arbeitnehmer ihr Gehalt bekommen, mehr Kunden aus Schweiz kommen.

In der St. Georgs-Apotheke in Lauchringen beobachteten die Apotheker „zwei, drei Kunden mehr“; auch in anderen Apotheken in der Grenzregion war alles wie üblich: „Wie immer viele Schweizer“ gehen nach wie vor in die Römer Apotheke in Rheinfelden, ebenfalls bislang keine Veränderungen nahmen die Angestellten in der Fridolins-Apotheke in Bad Säckingen und in der Hirsch-Apotheke in Lörrach sowie der Hirschapotheke in Konstanz wahr.

Einen großen Einschnitt gibt es derweil im Versandgeschäft: „Früher haben wir die Ware selbst in die Schweiz transportiert und von dort verschickt“, sagt Hölzle in Konstanz. So konnten sowohl Einfuhr- als auch Zollabfertigungsgebühr umgangen und die Mehrwertsteuerrückerstattung gesichert werden. Seit Juni 2014 dürfen Arzneimittel nicht mehr von Schweizer Postämtern aus verschickt werden: Die Arzneimittelbehörde Swissmedic hatte das Vorgehen als Verstoß gegen das OTC-Versandverbot untersagt.

Jetzt können die Pakete nur noch von Deutschland aus verschickt werden. „Damit ist der Vorteil der Grenznähe dahin“, so Hölzle. Es fallen der Zoll und eine Zollabfertigungsgebühr von rund 20 Franken an, die muss der Empfänger an den Postboten zahlen. „Das ist Grund genug, sich die Produkte nicht schicken zu lassen.“

Freiwahlprodukte ließen sich noch verschicken. „Aber für eine Vichy-Creme über die Grenze zu fahren, da lohnt der Aufwand nicht“, sagt Nathalie Sübler, Inhaberin der Kur-Apotheke in Todtmoos. Bei vielen Apotheken im Grenzstreifen falle damit ein ganzer Geschäftszweig weg, auch bei ihr. „Bei uns hat es aber nur einen kleinen Teil ausgemacht, das tut nicht weh. Andere bestreiten damit sicher bis zu 20 Prozent.“

Auch Burkhard Sieper von der Pestalozzi Apotheke in Lörrach stellt seinen Versandbetrieb in die Schweiz ein. Mit aposuisse.ch betrieb er bislang einen Shop, der sich speziell an Kunden im Nachbarland richtete. „Das tut natürlich weh. Aber man muss jetzt abwarten, was passiert. Vielleicht gibt es noch eine Lücke.“ Bis zu 30 Prozent seiner Kunden kommen aus der Schweiz, jeder fünfte von ihnen hatte bisher den Versand genutzt.

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