Impfzertifikate: So kann man das Portal austricksen

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„Ich konnte in der Eingabemaske alles eingeben, nur das Feld für die Dosis blieb immer grau“, so der Inhaber der Avie Forst-Apotheke in Oberhausen. „Also habe ich das Geburtsdatum wieder entfernt und dann auf ‚Erstellen‘ geklickt.“ Daraufhin erscheint eine Fehlermeldung samt Korrekturmaske, in der darauf hingewiesen wird, dass die Angaben unvollständig sind. „Dort kann man dann plötzlich alles eingeben, auch das Feld für die Dosis hat dort funktioniert.“ Klappt auch das nicht, so könne es nach seiner Erfahrung auch helfen, zwischenzeitlich von normalem Impf- auf Genesenenzertifikat umzustellen und die Daten einzugeben. Durch die Umschaltung auf Genesenenzertifikat fällt das Feld für die Imfpdosis weg. Schaltet man dann zurück, werde es oftmals aktiviert.

Weiß man all das und geht direkt so vor, kann man Zeit und Nerven sparen – garantieren, dass es immer funktioniert, kann natürlich auch Rieforth nicht. Allerdings habe er so am Dienstag vier Zertifikate am Stück erstellen können. Immerhin lohnt der Versuch, denn die Alternative ist oftmals, sich abzumühen und Kunden dann doch vertrösten zu müssen. „Wenn das so holprig läuft, dann rechnet sich das nicht. Ich kann nicht jedes Mal eine Viertelstunde vorm Rechner sitzen für ein einzelnes Zertifikat.“

Wie genau die Fehler zustande kommen, kann auch der Inhaber nicht sagen. Sowohl die Zeiten der Ausfälle als auch die Tatsache, dass es aus Arztpraxen und Impfzentren keine Berichte von derartigen Schwierigkeiten gibt, deuten jedoch stark darauf hin, dass die Infrastruktur des DAV schlicht überlastet ist. Die Tatsache, dass das DAV-Modul auch vor seiner Migration in die Telematikinfrastruktur (TI) schon Überlastungssymptome zeigte, wirft die Frage auf, warum das offenbar nicht antizipiert wurde. „Selbst wenn alle Apotheken gleichzeitig mitmachen würden – wenn ein Server keine 19.000 Anfragen bearbeiten kann, dann muss es doch Programmierfehler geben“, sagt er und hat kein Verständnis für das technische Versagen des DAV. „Das ist doch nichts anderes als ein Adobe-Formular. Sowas wie dieses Portal kann man doch auf einem Commodore 64 programmieren!“ Und als würden die technischen Unzulänglichkeiten nicht ausreichen, lasse der DAV die Apotheken mit den Problemen auch noch allein. „Diese Informationspolitik ist unterirdisch“, so Rieforth. „Wir Apotheken vor Ort machen uns doch vor unseren Kunden lächerlich. Mir graut es schon vor dem E-Rezept.“

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