Cannabidiol, THC, Vollspektrum & Co.

Blüte oder Extrakt – was sind die Unterschiede? APOTHEKE ADHOC, 25.03.2020 18:30 Uhr

Berlin - Seit dem 10. März 2017 können sich Patienten medizinisches Cannabis regulär beim Arzt verschreiben lassen. Seit mittlerweile drei Jahren werden Blüten und Extrakte auf erstattungsfähigen Verordnungen verschrieben. Zu Beginn waren nur Blüten in unterschiedlichen Stärken verfügbar. Später folgten auch Extrakte; im Oktober 2017 brachte das kanadische Unternehmen Tilray einen ersten Cannabis-Vollspektrum-Extrakt in pharmazeutischer Qualität auf den deutschen Markt. Ob der Arzt Blüten oder Extrakt verordnet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Indikation benötigt der Patient unterschiedliche Dosierungen an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Auch den weiteren Substanzen der Hanfpflanze werden positive Effekte zugeschrieben.

Als Betäubungsmittel darf Cannabis nur auf BtM-Rezept verschrieben werden. Zulässig ist die Verordnung von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter pharmazeutischer Qualität. Laut Betäubungsmittelverschreibungs-Verordnung (BtMVV) darf der Arzt innerhalb von 30 Tagen bis zu 100 g Cannabis in Form von getrockneten Blüten verschreiben. Bei Extrakten gilt bezogen auf den Gehalt an Δ9- Tetrahydrocannabinol die bisherige Höchstgrenze von 1000 mg. Bei der Auswahl der richtigen Darreichungsform ist das Therapieziel, eine Balance zwischen maximalem therapeutischem Effekt und möglichst geringen unerwünschten Nebenwirkungen zu finden.

Blüten

Cannabisblüten müssen vor der Abgabe immer als Rezepturarzneimittel verarbeitet werden. Die Art der Verarbeitung sowie die Sorte der Cannabisblüte richtet sich nach der Verschreibung des Arztes. Die Auswahl richtet sich nach dem Beschwerdebild des Patienten. Es gibt Blüten mit hohem oder niedrigerem THC- oder CBD-Gehalt, auch ausgeglichene Sorten sind verfügbar. Weiterhin können die Blüten je nach Verordnung des Arztes entweder zerkleinert oder unzerkleinert abgegeben werden.

Werden die Cannabisblüten zerkleinert abgegeben, werden sie in einer Kräutermühle gemahlen und mit einem Sieb der Größe 2000 gesiebt. Rückstände, die zu groß sind, können erneut zerkleinert und gesiebt werden. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis praktisch kein Siebrückstand mehr vorhanden ist. Zuletzt wird der Siebdurchgang durchmischt und je nach Verordnung in ein Sammelgefäß oder in Einzeldosen (Pulverkapseln) abgefüllt. Letztlich zählt die Identitätsprüfung oder das Umfüllen bereits als Verarbeitungsschritt.

Einnahme

Werden Cannabisblüten als Tee zubereitet, so werden sie in kochendem Wasser 15 Minuten am Sieden gehalten und anschließend abgeseiht. Damit sich die Wirkstoffe beim Abkühlen nicht an der Gefäßwand ablagern, kann der Tee in einer Thermoskanne aufbewahrt werden. Sollen die Cannabisblüten per Inhalation angewendet werden, muss ein elektrisches Verdampfergerät benutzt werden – die Inhalation des Dampfes nach Zugabe von kochendem Wasser bleibt ohne Wirkung, da die Wirkstoffe erst bei höheren Temperaturen freigesetzt werden.

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