Versandapotheken

Zur Rose: Zum E-Rezept verdammt

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Berlin -

Bei Zur Rose wartet man sehnsüchtig auf die Einführung des E-Rezepts in Deutschland. Denn ohne neuen Wachstumstreiber lässt sich die Erfolgsgeschichte auf Dauer wohl kaum aufrecht erhalten. Während das Management Rekordergebnisse feiert, zeichnet sich ab, dass DocMorris zunehmend die Puste ausgeht.

Für Deutschland weist Zur Rose einen Zuwachs von 45 Prozent aus, in Lokalwährung lag das Plus sogar bei 51 Prozent. Allerdings ist hier Medpex eingerechnet – der 2018 zugekaufte Versender konnte aber seit Anfang 2019 nicht in die Finanzbuchhaltung übernommen werden. So zeigen die tatsächlichen Zahlen nur einen Zuwachs von knapp 14 Prozent, in Lokalwährung immerhin 18 Prozent. Zum Vergleich: Konkurrent Shop-Apotheke ist im vergangenen Jahr ohne Zukäufe um 30 Prozent gewachsen.

Auch die Prognose fällt bei Zur Rose vor diesem Hintergrund überraschend zurückhaltend aus. Bis 2022 will die Gruppe den Umsatz des Jahres 2018 verdoppeln – geht man von konstanter Entwicklung in der Schweiz aus, müssen in Deutschland also im Durchschnitt Zuwächse von 19 Prozent pro Jahr erzielt werden. Rechnet man Medpex schon mit, bleiben 13 Prozent. Das unterscheidet sich nicht wesentlich vom vergangenen Jahr.

Dabei erwartet CEO Walter Oberhänsli bekanntlich massive Zuwächse im Zusammenhang mit der Einführung des E-Rezepts. So rechnet er im vergangenen Jahr vor, dass alleine bei einem Anstieg des Versandanteils im Rx-Bereich von 1,3 auf 5 Prozent und einem konstanten Marktanteil von 38 Prozent für Zur Rose sich der Umsatz von 250 Millionen auf eine Milliarde Euro steigern könnte – und zwar schon kurz- bis mittelfristig. Das liegt in der Größenordnung, die bis 2022 noch geholt werden muss. Alle Steigerungen darüber hinaus könnten also die Laune der Anleger befeuern.

An der Börse fliegen Oberhänsli derzeit wieder die Herzen zu: Seit Oktober hat die Aktie um 50 Prozent zugelegt und ist damit gerade zum Preis von 120 Euro zurückgekehrt, der zuletzt kurz nach dem Börsengang verzeichnet wurde.

Die vorläufigen Zahlen für 2019:

  • Gesamtumsatz: 1,57 Milliarden Franken (plus 30 Prozent)
  • Umsatz Schweiz: 554 Millionen Franken (plus 5 Prozent)
  • Umsatz Deutschland: 763 Millionen Franken (plus 14 Prozent, in Euro plus 18 Prozent)
  • Umsatz Deutschland, pro forma inklusive Medpex: 976 Millionen Franken (plus 45 Prozent, in Euro plus 51 Prozent)
  • Umsatz übriges Europa: 40 Millionen Franken (kein Vorjahresvergleich)

Die Gruppe setzte daher nach eigenen Angaben ihre Wachstumsziele erfolgreich um: Insgesamt habe man die führende Stellung als grösste E- Commerce-Apotheke Europas deutlich ausgebaut.

Starkes Wachstum gebe es in allen Segmenten: In Deutschland seien – inklusive Medpex – die Verkäufe markant gestiegen. Im Rahmen der Integration von Apo-Rot habe man zudem plangemäss Marketing, Service und IT Ende 2019 in Heerlen gebündelt und den Standort Hamburg stillgelegt. Die Synergien dieses Integrationsschrittes sollen sich 2020 positiv auf die Ertragslage auswirken. Mittlerweile ist auch der langjährige Geschäftsführer Christian Strauch von Bord.

In der Schweiz steigerte Zur Rose trotz regulatorisch bedingter Preissenkungen von 4 Prozent den Umsatz und wuchs damit deutlich über dem Markt. Der positive Trend der Neukundenentwicklung im Ärztegeschäft habe sich fortgesetzt. Zur Rose verzeichnete in diesem Bereich mit 7.6 Prozent ein markantes Wachstum und eine Erhöhung des Marktanteils von 24,5 auf 25 Prozent.

Im Segment Übriges Europa, welches das Marktplatzgeschäft in Spanien und Frankreich sowie von grenzüberschreitend rund 20 Ländern umfasst, verzeichnete die Gruppe nach eigenen Angaben ebenfalls ein starkes Umsatzwachstum.

Die endgültigen Zahlen sollen am 19. März veröffentlicht werden, dann liegen auch die Zahlen zum Verlust vor. Für 2020 wurde bislang mit einer Marge von 0 bis -1 Prozent auf Ebitda-Ebene, vor Abschreibungen, Finanzen und Steuern, gerechnet. Nunmehr wird das untere Ende angepeilt. 2022 sollen auf Ebdita-Ebene immerhin 5 bis 6 Prozent erzielt werden.

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