Abmahnungen: Apotheker will Amazon stoppen

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Berlin -

Im Mai fiel der Startschuss bei Amazon: Kunden in München können seitdem im Expressdienst „Prime Now“ auch Apothekenprodukte bestellen. Die Ware stellt die Bienen-Apotheke Laimer Platz von Michael Grintz als Partner bereit. Für Hermann Vogel jr., Inhaber der Winthir-Apotheke in der Nymphenburger Straße, war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schon lange ärgert er sich über Aspirin & Co. bei Amazon.de. Jetzt hagelt es von einer Münchener Rechtsanwaltskanzlei Abmahnungen an alle Apotheker, die bei Amazon Produkte vertreiben. Vogel und die Rechtsanwaltskanzlei Smith, Gambrell und Russell (SGR) sind der Ansicht, dass der Vertrieb über Amazon gegen den Datenschutz verstößt.

Die Kanzlei fordert von den abgemahnten Apotheken, alle apothekenpflichtigen Produkte vom Amazon-Portal zu entfernen und bis Freitag, den 23. Juni, 12 Uhr eine Unterlassungserklärung abzugeben. Sonst droht eine Klage vor Gericht. Abgemahnt wurden nach Angaben der Kanzlei bis jetzt 20 Amazon-Apotheken. Noch einmal so viele sollen in den kommenden Tagen dazu kommen. Dann wäre flächendeckend abgemahnt: Insgesamt 41 Apotheken Webshop bei Amazon haben die Anwälte ausfindig gemacht.

Es sei verboten, Apotheken von Nicht-Apothekern zu betreiben, heißt es zur Begründung. Insbesondere Gesundheitsdaten gehörten zu den besonders schützenswerten Informationen, deren Erhebung deshalb besonders strengen Vorschriften unterliege. Die abgemahnten Versandapotheken seien bei Amazon registriert und böten dort Medikamente an. Darunter befänden sich auch apothekenpflichtige Arzneimittel wie Aspirin, Grippostad und Canesten.

Amazon sei bekanntlich in Luxemburg ansässig. Und in der eigenen Datenschutzerklärung führe Amazon aus, „dass und welche Daten erhoben werden“ und dass Amazon Daten auch weitergebe. Beim Kauf von Arzneimitteln gehörten dazu auch Namen und Adresse des Bestellers und der Name des Medikaments: „Aus dem Namen des Medikaments lassen sich ganz unschwer Rückschlüsse auf die Beschwerden des Bestellers ziehen“, heißt es in der Abmahnung.

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