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Versandhandel

Apotheker stemmt sich gegen Amazon

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Berlin -

Der Siegeszug des Online-Handels bedroht immer mehr traditionelle Geschäfte und Apotheken – insbesondere in kleinen und mittleren Städten. Doch Gemeinden und Einzelhändler wollen dem drohenden Ladensterben nicht tatenlos zuschauen. So auch in der kleinen sauerländischen Hansestadt Attendorn. Dort hat sich vor zwei Jahren eine Initiative gegen den Internetriesen Amazon zusammengefunden. 32 Händler haben das Attendorner Webkaufhaus gegründet. Mit dabei sind zwei von sieben Apotheken der Stadt.

„Das Webkaufhaus wird inzwischen von den Attendornern als Schaufenster wahrgenommen“, berichtet Apotheker Christian Springob von der Nicolai-Apotheke: „Viele Kunden schauen sich die Angebote im Internet an, reservieren sie online, lassen sie sich liefern oder holen sie in den Geschäften persönlich ab.“ Springob ist nicht nur mit seiner Apotheke im Webkaufhaus aktiv. Er ist zudem Vorsitzender der Werbegemeinschaft Attendorn, einem Zusammenschluss von 125 Händlern und Dienstleistern der Stadt, die das Projekt vorantreibt.

Auch die Stadtverwaltung steht hinter dem Webkaufhaus, die Industrie- und Handelskammer ebenso und auch die regionalen Banken und Sparkassen. Das führt unter dem Strich dazu, dass die Kosten für das Angebot im Webkaufhaus für die Händler relativ gering sind: Für 20 Euro monatlich können sie über die Website „Atalanda.com“ ihre Produkte anbieten. Apotheker Springob hat 1872 Produkte online – ausschließlich Angebote aus der Freiwahl. Apothekenpflichtige Waren bietet er nur über seinen eigenen Webshop an. Geliefert werden die bestellten Waren per apothekeneigenem Botendienst. Andere Händler lassen ihre Waren in Attendorn mit dem Taxi ausliefern.

Springob zieht nach zwei Jahren eine positive Bilanz des Webkaufhauses: „Für viele Teilnehmer war das ein guter Lernprozess in Richtung Internethandel.“ Mehr noch: Seitdem die Waren auch bundesweit angeboten werden, hat sich der Kundenkreis erweitert. Der Internethandel schreibt für die Attendorner Händler schwarze Zahlen. „Und für die Attendorner Bürger ist das ein zusätzliches Angebot“, so Springob. Das Projekt Webkaufhaus soll jetzt um zwei Jahre verlängert werden.

Früher kamen auch in die Nicolai-Apotheke häufiger Kunden zur Beratung, die aber später online bestellten. „Das hat abgenommen“, berichtet Springob. Der Apotheker sieht in der wachsenden Selbstmedikation zudem ein pharmazeutisches Risiko: „Viele Patienten können den Einsatz von online gekauften Arzneimittel doch ohne Beratung gar nicht richtig einschätzen.“ Jetzt können sie online bestellen und kaufen und in der Apotheke die persönliche Beratung in Anspruch nehmen. Ob das Attendorner Webkaufhaus den Einzelhandel in Attendorn retten kann, weiß Springob natürlich nicht. „Aber es ist ein zeitgemäßes Angebot, das den Bedürfnissen der Kunden Rechnung trägt.“ Und die Kooperation mit der Plattform Atalanda bringt ebenfalls Vorteile. Dadurch sind die Angebote der Attendorner Händler jetzt bundesweit bei Google gut positioniert.

Attendorn ist nicht die einzige Gemeinde, die auf lokale Online-Marktplätze setzt. Vorreiter beim Kampf David gegen Goliath war Wuppertal. Die Stadt hat zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda bereits Ende 2014 den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal (OCW) ins Leben gerufen. Rund 70 Händler aus der bergischen Stadt präsentierten dort gemeinsam ihre Produkte. Auch hier wird die bestellte Ware noch am selben Tag geliefert. Atalanta ist mit weiteren Städten und Gemeinden im Gespräch.

Wie wichtig der Internethandel inzwischen geworden ist, zeigte das Statistischen Bundesamts (Destatis) kürzlich auf: Fast jedes vierte Unternehmen in Deutschland, 23 Prozent, verkaufte im Jahr 2016 seine Waren oder Dienstleistungen über eine Website, App oder elektronischen Datenaustausch über Standleitungen (EDI). Unternehmen, die im Online-Handel über eine Website oder App aktiv waren, erzielten 19 Prozent ihres gesamten Umsatzes aus Verkäufen über diese Vertriebskanäle.

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