Medice-Laientests: Resterampe bei Netto

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Berlin -

Antigen-Schnelltests sind wieder gefragt, aber nicht leicht zu bekommen. Der Discounter Netto bewirbt seine Vorräte und verweist dabei auf große Mengen. Angeboten wird der Laientest Medicovid von Medice, dessen Sonderzulassung im September ablief. Geschäftsführer Dr. Richard Ammer appellierte vor Ablauf der Frist an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), eine Übergangsregelung zu schaffen, bis eine CE-Zertifizierung vorliegt – erfolglos. Deshalb habe sich das Unternehmen gezwungen gesehen, die vorhandenen 2,8 Millionen Stück an Zwischenhändler abzugeben, die etwa Discounter beliefern.

„Schnelltests wieder verfügbar“, wirbt der Discounter Netto und bietet den Medicovid-AG Selbsttest für 2,99 Euro pro Stück an. Zudem wird auf Großpacks mit 250 Stück für 737,50 Euro verwiesen. Ammer betont, dass es nicht im Sinne von Medice gewesen sei, „dass unser Selbsttest jetzt beim LEH Netto landet“. „Medice bekennt sich zur starken Partnerschaft mit der Apotheke.“ Allerdings wollte man in Iserlohn auch keine Ware wegschmeißen, die noch bis Ende 2022 nutzbar sei. „Und Zwischenhändler bedienen ohne Emotionen Apotheken wie Retailer“, sagt er.

Hintergrund ist der Wegfall der Sonderzulassung Mitte September. Das Familienunternehmen hatte nach langem Warten die Sonderzulassung für den Test zur Eigenanwendung durch Laien im März erhalten. Der Antrag wurde bereits Ende Januar eingereicht. Bereits vor Weihnachten füllte das Unternehmen die Lager mit Selbsttests. Die Tests wurden exklusiv für Apotheken angeboten.

„Hilferuf“ an das BfArM

Das Ende der Sonderzulassung sei nicht im Sinne der Versorgung, so Ammer. Als die Entscheidung gefallen sei, habe es nur fünf Anbieter mit CE-zertifizierten Tests gegeben. Medice habe Widerspruch gegen den Ablauf der Sonderzulassung eingelegt und in einem „Hilferuf“ an das BfArM die Situation erklärt. Das Unternehmen sah sich rein organisatorisch nicht in der Lage, eine geforderte Zertifizierung zu erhalten, da es EU-weit lediglich zwölf benannte Stellen gebe und die Wartezeit bei bis zu zwölf Monaten gelegen habe.

Medice habe sich wegen der Zusicherung der anhaltenden Sonderzulassung mit viel Ware eingedeckt. Die Lager seien voll gewesen, sagt Ammer. Letztlich sah er sich gezwungen, die Ware im September „schnell zu verkaufen – mit hohen Verlusten, wie er sagt. Insgesamt seien 2,8 Millionen Stück betroffen gewesen. Diese würden jetzt – „mit verknappten Angebot und großer Nachfrage wegen der 3G-Regel für Arbeitsstätten – zu Billigpreisen verkauft. Der erhöhte Bedarf im Herbst und im jetzigen Winter sei absehbar gewesen, so Ammer. Jetzt „explodieren die Preise und die Zwischenhändler machen den Reibach“.

Ammer kritisierte die fehlende Transparenz in dem Entscheidungsverfahren. Medice habe „aufgrund der langen Lieferzeiten und hohen Kosten der Tests erhebliche Vorleistungen erbringen“ müssen und nicht kurzfristig Chargen bestellen oder stornieren können. Es sei nicht vorhersehbar gewesen, dass die Sonderzulassung nicht mehr bewilligt werde.

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