Forxiga: Versorgung rückwärts | APOTHEKE ADHOC
Kontingentierung

Forxiga: Versorgung rückwärts

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Berlin -

„Ein betriebskalkulatorisches Desaster“ ist aktuell die Bestellung von Forxiga (Dapagliflozin, AstraZeneca), berichtet ein Apotheker. Er muss eine Bestellung auf der Verkaufsplattform Pharma Mall aufgeben, da die vollversorgenden Großhändler Forxiga 10 mg zu 28 Stück aktuell nicht liefern können. Sonst könnte der Patient nicht versorgt werden.

AstraZeneca wickelt Direktbestellungen seit November 2015 nur noch über Pharma Mall ab. Apotheker fühlten sich von Beginn an in das Direktgeschäft gedrückt, wenn Arzneimittel nicht über den Großhandel lieferbar waren. Während in den Regalen der Großhändler gähnende Leere für Forxiga herrscht, scheint das Lager von Pharma Mall voll. „Versorgungsregulatorisch ist das Nonsens“, schimpft ein Apotheker. „Für uns bedeutet das einen enormen Mehraufwand. Das ist Wahnsinn!“

Der Apotheker hat heute eine Packung Forxiga 10 mg zu 28 Stück im Online-Shop bestellt. Wenn er Glück hat, kann er den Patienten noch am Samstag versorgen, denn die Lieferzeit beträgt etwa zwei bis drei Werktage. In puncto Warenwirtschaft ist die Bestellung ein enormer Aufwand – denn für eine Packung sei so viel Arbeit wie für eine Großhandelsbestellung nötig, die aus mehreren Wannen besteht. Ein Irrsinn, denn für jede Packung erfolgt eine Zustellung und eine gesonderte Rechnung. Wird an aufeinanderfolgenden Tagen je eine Packung bestellt, bedeutet das auch entsprechend viele Pakete und Rechnungen.

AstraZeneca liefert Forxiga nur noch kontingentiert aus, denn das Antidiabetikum sei durch Nutzenbewertung und Preisverhandlungen im europäischen Vergleich auf dem niedrigsten Preisniveau. Antidiabetika von AstraZeneca sind im Ausland im Schnitt 50 Prozent teurer. „Seitdem der Erstattungspreis für die Marktteilnehmer sichtbar ist, ist die Nachfrage nach den betroffenen Produkten auf Seiten des pharmazeutischen Großhandels enorm gestiegen“, so eine Sprecherin zur Entscheidung. Ob die Produkte ins Ausland verkauft würden, kommentierte sie nicht.

„Der Großhandel wird ausreichend mit Ware versorgt und keine Ware vorenthalten“, teilte AstraZeneca mit. Werde der Bedarf dennoch nicht gedeckt, können Apotheken über den „Notfall-Kanal“ Ware beziehen. Bestellungen über Phama Mall sind demnach nur von Nöten, wenn es zu Engpässen kommt.

Doch bereits zur Bestellumstellung 2015 wunderte man sich: „Obwohl der Großhandel von uns mehr als ausreichend beliefert wurde, kam es in den letzten Monaten zu einem außergewöhnlich starken Anstieg der Bestellungen im Notfall-Kanal.“ Der Großhandel bestellte zu der Zeit das Fünf- bis Sechsfache des Patientenbedarfs. Vermutet wird, dass Grauhändler dem hiesigen Markt Packungen entziehen und so die vollversorgenden Großhändler nicht liefern können. Wo genau die Ware verschwindet, kann jedoch niemand sagen.

Apotheker können im Online-Shop bis zu fünf Packungen einer Position bestellen. Ein Bedarf darüber hinaus muss angemeldet werden. Daraufhin wird geprüft, ob die Bestellung bedarfsgerecht ist, heißt es.

Die Maßnahme sei lediglich als Notfall-Kanal für Kleinstmengen gedacht, so AstraZeneca. „Wenn wir einer Apotheke beispielsweise die bestellten 20 Packungen Forxiga für zwei Wochen geben würden, obwohl die Durchschnittsapotheke in Deutschland nur zwei Packungen im ganzen Monat benötigt, schaden wir den anderen Apotheken, die ebenfalls im Notfallkanal bestellen möchten“.

Kontingentierungen gibt es aktuell im gesamten Pharmamarkt. Ebenfalls betroffen sind unter anderem: Januvia (MSD), Jardiance (Boehringer), Avamys, Flutide, Lamictal und Viani (GSK) sowie Vesikur (Astellas) und Victoza (Novo Nordisk).

Pharma Mall wurde 2002 gegründet und ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Unternehmensgruppen Bayer Vital, Boehringer Ingelheim, GlaxoSmithKline, Merck Serono, Novartis und PharmLog.

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