Höherer Preis – bessere Verfügbarkeit?

50 Prozent teurer: Preissprung bei Forxiga Tobias Lau, 13.08.2020 10:20 Uhr

Berlin - Forxiga (Dapagliflozin) ist eines der Arzneimittel, denen Apotheken stets hinterherlaufen müssen: Beim Großhändler immer ausverkauft, bei Pharmamall kontingentiert. Viele Kollegen rieben sich deshalb die Augen, als sie nun eine Preissteigerung um bis zu 54 Prozent auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) feststellten. Schnell machten Gerüchte die Runde, AstraZeneca wolle damit Graumarktexporte eindämmen, befeuert wohl auch durch den eigenen Kundendienst. Doch das ist mitnichten der Fall, stellt der Konzern nun klar – und behauptet, dass es bei dem Diabetesmedikament keine Lieferprobleme gäbe.

Als er die Preissteigerung gesehen hat, habe er sich „erst einmal neutral erschrocken“, sagt Christian Pöppl, Inhaber der Nordgau-Apotheke in Regensburg. Neutral deshalb, weil er im ersten Moment nicht wusste, ob das nun ein Grund zur Freude ist oder nicht. Einerseits bedeutet es einen Lagerwertgewinn – und der ist schließlich selten genug. Andererseits kommt er ohnehin kaum an nennenswerte Mengen Forxiga, die er benötigen würde. „Ich habe sowieso erst einmal an einen Systemfehler geglaubt, denn das kam ja schon öfter vor“, erzählt er. „Also habe ich bei AstraZeneca angerufen. Da wurde mir die Preissteigerung bestätigt und gesagt, dass dadurch Graumarktexporte eingedämmt werden sollen.“ Die Logik: Steigt der Preis in Deutschland erheblich, rentiert sich ein Export entsprechend weniger. Dadurch könnte mehr Ware im deutschen Markt bleiben.

Doch so einfach ist es nicht, denn AstraZeneca kann den Preis eines AMNOG-Arzneimittels nicht einfach ändern. „Grund für die Preissteigerung ist nicht die Sicherstellung der Lieferfähigkeit von Forxiga und Xigduo, sondern das Ergebnis verpflichtender Preisverhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und AstraZeneca nach den erfolgreichen Nutzungsbewertungsverfahren in 2019“, teilt der Konzern auf Anfrage mit. Denn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im Oktober und Dezember zwei Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Dapagliflozin und Dapagliflozin/Metformin bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko abgeschlossen. Die Kombination hat AstraZeneca unter dem Markennamen Xigduo am Markt. „Der festgestellte Zusatznutzen bildet die Grundlage für die Preisanpassung von Forxiga und Xigduo“, so der Hersteller.

Und diese Anpassung ist erheblich: Derzeit sind Forxiga und Xigduo mit 36,51 Euro für die 28er- beziehungsweise 100,85 Euro für die 98er-Packung gelistet. Zum 15. August gelten nun neue Preise: Forxiga 5mg und 10mg kosten dann 52,18 EUR für die 28er- und 155,70 Euro 98er-Packung. Das entspricht einer Steigerung von 43 und 54 Prozent. Daraus ergeben sich Tagestherapiekosten (TTK) von 1,86 Euro in der 28er- und 1,59 Euro in der 98er-Packung. Für Xigduo gelten die entsprechenden Preise für die 56er- und die 196er-Packung, also TTK von 1,86 Euro und 1,59 Euro. „Diese Tagestherapiekosten liegen dabei immer noch deutlich unterhalb der TTK für Vergleichspräparate von Wettbewerbern“, so AstraZeneca.

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