Gehe/Alliance: Stunde der Entscheidung

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Unter welchem Namen und wessen Führung das Gemeinschaftsunternehmen auftreten soll, wird genauso wenig verraten wie Details dazu, wo es seinen Hauptsitz haben wird und welche Vertriebszentren oder Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen sollen. Eigentlich steht Gehe nicht nur geschäftlich, sondern auch strukturell besser da. Andererseits übernimmt WBA mit 70 Prozent den Lead im Joint Venture – und Konzernchef Stefano Pessina hat seine Deals mehrfach ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen.

Die Hängepartie sorgt vor allem deswegen für Verunsicherung, weil es ein offenes Geheimnis ist, dass es eine Schließungswelle geben wird. Gemeinsam verfügen AHD und Gehe über 42 Standorte, davon gehören Gehe 17 und AHD 25. Einige Häuser liegen nur wenige Kilometer auseinander. Phoenix unterhält bei höherem Marktanteil weniger als halb so viele Vertriebszentren.

Beide Partner haben bereits erklärt, dass mit dem Joint Venture die Wettbewerbsfähigkeit des Geschäfts gestärkt werden soll: Neben der Qualität stünden vor allem effiziente Liefermöglichkeiten und „Skaleneffekte im deutschen Pharmagroßhandel“ im Vordergrund, hieß es. Schon vor der Ankündigung der Fusion hatten bei AHD Projektteams Kundenzahlen und Deckungsbeiträge, Touren und Verkehrsdaten analysiert. Bereits Anfang 2019 wurde im Zusammenhang mit dem öffentlich angekündigten Sparprogramm kolportiert, dass drei bis fünf Niederlassungen geschlossen werden könnten.

Sowohl Gehe als auch AHD wurden in den vergangenen Jahren immer neuen Sparrunden unterzogen; an der negativen Ertragslage geändert haben diese nichts. Vor allem an der ehemaligen Anzag wurde seit der Übernahme immer wieder herumgedoktert, stets mit dem Ziel, Profite zu generieren und abzuführen: Servicecenter wurden geschlossen, die Zentrale verkauft, Abteilungen aufgelöst. In der Summe fielen so seit 2010 knapp 400 Vollzeitstellen weg, immerhin ein Fünftel der Belegschaft.

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