Telemedizin

DrEd: Filiale in Deutschland APOTHEKE ADHOC, 11.01.2019 14:15 Uhr

Berlin - DrEd kommt nach Deutschland. Firmengründer und Geschäftsführer David Meinertz hat gegenüber der Ärztezeitung angekündigt, noch im ersten oder zweiten Quartal eine Niederlassung hierzulande eröffnen zu wollen. Meinertz setzt auf wachsende Spielräume für sein Geschäftskonzept. DrEd wolle „mittelfristig auch Leistungen für GKV-Patienten erbringen“.

Bereits vergangenen Mai gab es Gerüchte, dass der Online-Sprechstunden-Anbieter nach Deutschland umziehen könnte. Dabei ist die Politik Pull- und Push-Faktor gleichzeitig: Denn mit der Entscheidung des Ärztetages, die Fernbehandlung ohne persönlichen Erstkontakt zuzulassen, wurde der Weg für DrEds Geschäftskonzept hierzulande freigemacht. Der Computer-Doktor setzt deshalb darauf, dass perspektivisch auch die Fernverschreibung fester Bestandteil der ärztlichen Versorgung wird. Um in diesem Prozess „auf Augenhöhe“ mit Krankenkassen und anderen Stakeholdern zu verhandeln zu können, müsse man vor Ort sein, erklärte Meinertz.

Andererseits ist die politische Unsicherheit am jetzigen Standort groß, denn das Unternehmen sitzt seit seiner Gründung 2010 in London. Die Gefahr, dass das Vereinigte Königreich ohne Austrittsabkommen die EU verlässt, ist nach wie vor gegeben. Und selbst mit Austrittsabkommen ist die Rechtslage langfristig unsicher. Wer weiß schon, ob DrEd in einigen Jahren noch von Großbritannien aus in der EU behandeln darf. Die Aussichten sind hierzulande also bedeutend rosiger. Vor diesem Hintergrund kündigte Meinertz an, eine Filiale in Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein eröffnen zu wollen, also in einem der beiden Bundesländer, die sich als Vorreiter bei der Fernbehandlung profiliert haben. Auch ein kompletter Umzug nach Deutschland ist damit – je nach weiterer Entwicklung – ein realistisches Szenario.

Parallel dazu arbeitet der Telemediziner daran, sein eigenes Angebot zu optimieren. So wird derzeit ein IT-System entwickelt, das qualitätsgesicherte Therapieentscheidungen unterstützen soll. Dabei werde die Anamnese mit den Daten zuvor behandelter Patienten abgeglichen. Das System signalisiere dann beispielsweise bei ungewöhnlichen Befundkonstellationen Nachfragebedarf und prüfe Verordnungsentscheidungen auf Konformität. Ist ein Medikationsvorschlag kontraindiziert, werde dann automatisch ein Warnhinweis ausgelöst. Meinertz zufolge ist das System bereits so weit ausgereift, dass es bestimmten Diagnosen auch nur die dazu passenden Medikamente zuordne. Auch die zukünftige Einbindung von Apps, die Messwerte oder Hautbilder liefern, werde erwägt. Meinertz versichert jedoch, dass nach wie vor jede Konsultation von einem Arzt persönlich durchgeführt wird: „Es findet keine automatisierte Behandlung statt.“

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