Interview Jens Graefe (AEP)

„Das Geld findet seinen Weg in die Apotheke“ Alexander Müller, 14.11.2017 12:31 Uhr

Berlin - Großhandel gegen Großhandel: Der Skonto-Prozess vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hatte eine besondere Brisanz. Hätten die Karlsruher Richter anders entschieden, stünden die Apotheken heute mit gekürzten Konditionen da – viele wären nach Expertenmeinung in ihrer Existenz bedroht. Jens Graefe, Geschäftsführer von AEP, hat für das Skonto gekämpft. Im Interview erklärt er, wie es nun weiter geht.

ADHOC: Sie haben den Prozess gewonnen, bei dem der Großhandel als Verlierer dasteht. Wie paradox finden Sie das?
GRAEFE: Paradox ist, dass der Wettbewerb das Verfahren initiiert hat und sich jetzt noch als Verlierer fühlt. Wir haben den Prozess gewonnen, und das Urteil bringt allen, auch für die Apotheken, Sicherheit. Und paradox ist es insbesondere, weil das Verfahren wirklich niemandem außer uns geholfen hat und dabei sehr gefährlich war.

ADHOC: Sie meinen Ihren eigenen Einkauf?
GRAEFE: Im Kern ging es um die Frage, ob es eine Preisuntergrenze gibt, in die Skonti angerechnet werden. Für den einheitlichen Herstellerabgabepreis hätte es tatsächlich in letzter Konsequenz das Verbot von Skonti bedeutet, wenn der BGH das so entschieden hätte. Da hätte in der Supply Chain viel Geld gefehlt – mit unabsehbaren Folgen für die Apotheken. In der Konsequenz hätte das eine Verteilung von der Apotheke zur Industrie bedeutet.

ADHOC: Wird AEP jetzt seine Konditionen anpassen?
GRAEFE: Nein, warum? Für uns ist das Urteil nur eine Bestätigung unserer Konditionen, die seit vier Jahren unverändert sind und im Übrigen vom Wettbewerb ähnlich gelebt und gegeben werden. Dort halt erst nach intensiven Verhandlungen. Es gibt Rabatte, Skonto, Bonusvereinbarungen und genossenschaftliche Rückvergütungen und Weiteres, und viel davon arbeitet in die 70 Cent hinein.

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