Schweiz

Mit Festpreisen 800 Millionen sparen APOTHEKE ADHOC, 30.08.2018 13:04 Uhr

Berlin - Generika seien in der Schweiz bis zu 300 Prozent teurer als im Ausland, kritisiert der Krankenkassenverband Curafutura und unterstützt damit den Vorstoß der Preisüberwacher und des Schweizer Bundesrates, ein Referenzpreissystem einzuführen. Wenn Krankenkassen nur noch Wirkstoffe vergüten müssten statt teure Produktnamen, ließen sich pro Jahr 800 Millionen sparen. Ärzte, Apotheker und Hersteller wehren sich gegen die Pläne. Man befürchtet etwa Einbußen bei der Qualität der Medikamente, Versorgungsengpässe oder warnt vor dem Verlust der Innovationskraft der Branche in der Schweiz.

Wer in der Schweiz ein Medikament kaufen will, muss im EU-Ländervergleich häufig mehr bezahlen. Die Preisunterschiede sind teilweise erheblich. Wie der Krankenkassenverband Curafutura nun aufzeigte, kostet beispielsweise eine Tablette Pantoprazol von Sandoz in den Niederlanden umgerechnet 3 Rappen, in Deutschland 29 Rappen und in der Schweiz 53 Rappen. Gewisse Preisdifferenzen lassen sich in der Schweiz durch das allgemein höhere Preisniveau erklären, solche Extremfälle aber nicht, meinen die Krankenversicherer, und unterstützen den Vorstoß des Preisüberwachers und des Schweizer Bundesrats, ein Referenzpreissystem für Medikamente einzuführen.

In wenigen Wochen soll Bundesrat Alain Berset präsentieren, wie das Referenzpreissystem konkret ausgestaltet werden soll. Doch das Prinzip ist bereits klar: Medikamente mit gleichen Wirkstoffen werden in Gruppen eingeteilt. Für die Gruppe wird anschließend ein Maximalpreis festgelegt, der sich am günstigsten Präparat orientiert. Dieser Referenzpreis soll sowohl für Originalpräparate mit abgelaufenem Patentschutz als auch für Generika gelten.

Der Krankenversicherer vergütet dann nur noch den Referenzpreis. Falls ein Patient sich also für ein teureres Präparat entscheidet, darf er das weiterhin, muss allerdings die Preisdifferenz selbst berappen. Patienten sollen so mehr Anreiz erhalten, günstige Medikamente zu beziehen, die ihnen von der obligatorischen Krankenversicherung vergütet werden. Dadurch erhoffen sich die Befürworter eine Ersparnis von bis zu 800 Millionen Franken. Der Systemwechsel soll für Patienten keinen qualitativen Unterschied bringen, beteuern sie. Denn aus medizinischen Gründen könnte der Arzt ja weiterhin ein teureres Präparat verschreiben, das der Versicherer dann vollumfänglich rückerstatten müsste.

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