Verwirrung um Testverordnung

Überteuerter Test: Rentner will 7 Euro von der SPD

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Berlin -

Kostenlos, für 3 Euro, oder doch Selbstzahler? Die neue Testverordnung sorgt bei vielen für große Verwirrung. So auch bei einem Rentner aus Bielefeld: Laut einem Bericht der „Neuen Westfälischen“  fordert er nun, dass die SPD ihm die seiner Meinung nach zu viel gezahlten 7 Euro für seinen Coronatest zurückerstattet.

Der Rentner aus Bielefeld ist verärgert: Wegen eines Freizeitausflugs wollte er sich testen lassen und ging am Tag zuvor in eine Apotheke, so die „Neue Westfälische“. Er erwartete 3 Euro für seinen Test zu zahlen, wurde jedoch eines Besseren belehrt: Denn stattdessen zahlte er 10 Euro für die Testung. Als der 79-Jährige erfährt, dass seine Mitreisende nur 3 Euro für ihren Test am Vortag gezahlt hatte, „platze ihm die Hutschnur“.

Nun fordert er die SPD dazu auf, die zu viel gezahlten 3 Euro zu erstatten. „Mit der verlangten Gebühr von 10 Euro war ich nicht einverstanden, da Herr Lauterbach (SPD) stets von 3 Euro gesprochen hat. Bei Herrn Spahn (CDU) waren es jahrelang null Euro", schreibt er in seinem Widerspruch. Diesen hat er nach eigenen Angaben bei der SPD-Geschäftsstelle in den Briefkasten geworfen. „Ich erwarte eine seriöse Politik mit klaren Aussagen, bei denen nicht bedürftige Rentner über den Tisch gezogen werden.“

Wie sind die Preise geregelt?

Die seit Juli in Kraft getretene Coronatestverordnung ist für viele undurchsichtig geworden. Viele lassen sich daher gar nicht mehr testen – es ist ein deutlicher Rückgang spürbar. In der Verordnung sind verschiedene Preiskategorien festgehalten: Einige Gruppen bekommen die Tests kostenlos, manche Voraussetzungen lassen Betroffene nur 3 Euro bezahlen, wieder andere müssen als Selbstzahler:in mindestens 9,50 Euro zahlen.

Ganz schön kompliziert, wo sich doch vorher alle kostenlos testen lassen konnten. Den Durchblick hat kaum jemand mehr. Das beobachtet auch Markus Wendler, Geschäftsführer der Firma PVM, die in Bielefeld und anderenorts zahlreiche Testzentren betreibt. Er kommt im Beitrag der „Neue Westfälischen“ zu Wort und verweist auf die Unsicherheiten der Bürger:innen.

Doch auch die Anbieter von Tests seien nicht immer bestens informiert: Es könne durchaus sein, dass die Mitarbeitenden in der Apotheke, die der Rentner aufgesucht habe, „nicht so im Detail gesteckt haben, weil Schnelltestungen vielleicht nicht mehr ihr tägliches Brot sind“, so Wendler. Aus seiner Sicht habe der 79-Jährige wirklich nur 3 Euro zahlen müssen – zum einen, weil er der vulnerablen Gruppe angehört, zum anderen, weil er durch die bevorstehende Busfahrt zur Gruppe „Teilnehmer von Veranstaltungen in Innenräumen“ gezählt werden könne.

In die höhere Preiskategorie von mindestens 9,50 Euro fallen lediglich alle „Freizeittester“: „Solche, die sich aus einem reinen Unsicherheitsgefühl testen lassen oder weil sie aus irgendeinem Grund auf Nummer sicher gehen wollen.“ Dabei kann für die Selbstzahler-Tests durchaus mehr als 10 Euro verlangt werden.

Hohe Dunkelziffer durch verwirrende Verordnung

Wendler kritisiert einen wichtigen Punkt: Menschen mit Symptomen dürfen seit der neuen Verordnung nicht mehr ins Testzentrum kommen. „Diese müssen jetzt alle zum Hausarzt und sich dort testen lassen.“ Der Testzentren-Betreiber geht jedoch davon aus, dass viele diesen Aufwand nicht auf sich nehmen und sich stattdessen gar nicht testen lassen. Er versteht die Regelung nicht: „Denn bei positiven oder unklaren PoC-Selbsttests können die Bürger wiederum zu den Testzentren gehen und werden von uns mithilfe kostenfreier PCR-Bürgertest nachgetestet.“ Verschiedene Expert:innen gehen aktuell daher von einer hohen Dunkelziffer aus.

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