Billigere Tests und mehr Personal

TestV: „Schikane den Apotheken gegenüber“

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Berlin -

Die neue Testverordnung (TestV) ist eine Frechheit – mit dieser Aussage macht Apothekerin Sylwia Spaniel ihrem Ärger offen Luft. „Die Kunden sind verunsichert und ich brauche jetzt einen Mann mehr an Bord“. Während andere Kolleg:innen das Testen mit den neuen Auflagen einstellen, geht es in der Löwen-Apotheke in Feuchtwangen weiter. Auf den Eigenanteil von 3 Euro zu verzichten, wie es mehrere andere Apotheken tun, kann sie sich nicht vorstellen.

Die Löwen-Apotheke will ihrer Kundschaft auf jeden Fall weiter ein Testangebot machen. Allerdings sind dafür angesichts der neuen TestV Umstrukturierungen nötig. „Ich saß am Mittwoch bis 23 Uhr und habe neue Vorlagen erstellt“, sagt Spaniel. Die kurzfristige Veröffentlichung der neuen Vorgaben sei „unfassbar“. Die neuen Auflagen seien „eine Schikane den Apotheken gegenüber“, kritisiert sie.

Apotheken können nur noch ausgewählte Gruppen kostenlos auf Covid-19 testen. Dazu zählen Schwangere in den ersten sechs Monaten, Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren oder Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht gegen das Virus impfen lassen können. Bürger:innen, die eine Veranstaltung oder Risikogruppen besuchen möchten, müssen einen Eigenanteil von 3 Euro bezahlen. Die Abläufe und Gründe müssen dokumentiert werden.

Testkundschaft verunsichert

Spaniel und ihr Testteam konnten die ersten Testkund:innen gut betreuen. „Die Leute sind zwar verunsichert, aber ganz lieb und nett“, sagt sie. Die neuen Vorgaben seien jedoch „Blödsinn“ – jeder kann doch behaupten, dass er Senioren oder besonders gefährdete Gruppen besucht. Wegen der Nachweise müsse sie eine Person mehr einplanen. Bislang kam die Teststelle der Apotheke vormittags mit zwei Angestellten und nachmittags mit einem zurecht.

Die Entscheidung zum Fortführen des Testangebots sei schnell gefallen: „Man tut sich das zwar nicht freiwillig an, aber wir machen es, weil das Angebot gut angenommen wird und wir uns einen Namen gemacht haben.“ Zudem seien die Zahlen besorgniserregend. „Seit einem Monat haben wir eine Positivrate von 30 Prozent. Das ist der Wahnsinn. Natürlich geht es vielen Leuten gut, aber viele sind auch krank.“ Die Selbstbeteiligung von 3 Euro könne dazu führen, dass man sich nicht mehr Testen lasse, bevor man ausgehe, fürchtet die Apothekerin.

3 Euro müssen sein

In Feuchtwangen wird die Selbstbeteiligung auf jeden Fall verlangt. „Wenn ich das nicht tun würde, kann ich zu machen.“ Kolleg:innen, die die 3 Euro aus eigener Kasse zahlen, kann sie nicht verstehen. „Die müssen zuviel haben.“ Spaniel dagegen rechnet derzeit aus, wo Einsparpotenzial liegt. „Auf jeden Fall bei den Tests. Wir waren bislang sehr zufrieden mit der Qualität und der Handhabung von Panbio von Abbott.“ Allerdings werde sie auf günstigere Alternativen umsteigen müssen. Zudem könnten angesichts des Mehraufwands nicht mehr PCR-Tests nach einem positiven Schnelltest garantiert werden. „Wir waren so gut eingespielt.“

Andere verzichten auf 3 Euro

Auch in anderen Apotheken werden die Teststellen neu strukturiert. Einige kündigten ihren Kund:innen an, auf die Selbstbeteiligung zu verzichten: In der Adler Apotheke Moers etwa müssen keine 3 Euro gezahlt werden. „Wer sich anlassbezogen bei uns testen möchte, zahlt keine Gebühr von 3 Euro! Wir haben uns entschlossen, diese Gebühr nicht zu erheben, um unsere Kundinnen und Kunden bei der derzeitigen Inflation nicht zusätzlich zu belasten. Der Schutz der Gesundheit darf keine Frage des Geldbeutels sein.“

Auch in Iserlohn gibt es weiterhin kostenlose Bürgertests: „Wir verzichten in unseren Testzentren der Kuhlo-Apotheke und Heide-Apotheke auf den Eigenanteil von drei Euro, um unseren Kunden während der aktuellen Sommerwelle weiterhin die Möglichkeit zu geben, sich so verantwortungsvoll wie möglich verhalten zu können.“

Der 3-Euro-Rabatt sorgt wiederum bei anderen Kollegen für Kopfschütteln: „Das ist ein ganz falsches Signal für die Politik. Bei uns gibt es nichts, gar nichts mehr zu holen. Das macht die ganze Arbeit kaputt“, sagt Daniela Hänel. Die Vorsitzende der Freien Apothekerschaft schrieb an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sowie zahlreiche weitere Bundestagsmitglieder, um über die nicht vorhandenen Existenzreserven in Apotheken und die tatsächliche Situation aufzuklären.

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