Corona-Wundermittel

Ivermectin nur noch für Pferdemädchen

, Uhr
Berlin -

In den USA ist das Entwurmungsmittel Ivermectin vielerorts so beliebt, dass eine Tierhandlung nun Konsequenzen zog: Beim Kauf des Arzneistoffes müssen die Kund:innen ein Bild von sich und ihrem Pferd vorzeigen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde warnt eindringlich vor der Einnahme des angeblichen Corona-Wundermittels.

Ivermectin geriet bereits vor Wochen in die Schlagzeilen. Der Arzneistoff kann bei Menschen und Tieren gleichermaßen zur Parasiten- und Wurmbehandlung eingesetzt werden. In Europa ist Ivermectin vor allem aus der Krätze-Behandlung bekannt (Driponin, Pädia). Das Antiparasitikum soll antivirale Eigenschaften besitzen und die Viruslast senken können.

Doch die Studienlage ist schwammig. Australische Forscher vermuteten eine antivirale Wirkung bereits im vergangenen Jahr, Länder wie die Slowakei sprachen Einnahmeempfehlungen aus. Auch in den USA ist die Nachfrage gesteigert. Anders als in Deutschland kann das Wurmmittel dort direkt in Tierhandlungen bezogen werden. In größeren Mengen wird es vor allem zur Entwurmung von Pferden eingesetzt. In einigen Regionen ist die Nachfrage als Corona-Wundermittel so hoch, dass die Betreiber:innen der Tierhandlungen nun Konsequenzen ziehen müssen.

„What a time to be alive“, twitter eine Kundin einer Tierhandlung in Las Vegas, als sie den Hinweis am Regal zu Ivermectin liest. Die Abgabe würde nur noch bei Vorlage eines Fotos von sich und seinem Pferd erfolgen. Denn der Arzneistoff ist knapp. Die protektive Wirkung gegen Sars-CoV-2 nicht belegt. Die Nebenwirkungen für den Menschen können bei dauerhafter Einnahme in hohen Dosierungen schwerwiegend ausfallen. Die FDA reagiert auf Twitter und warnt: „Auch wenn Tierarzneimittel denselben Wirkstoff wie ein zugelassenes Humanarzneimittel haben, wurden Tierarzneimittel nicht auf Sicherheit oder Wirksamkeit beim Menschen untersucht. Die Behandlung menschlicher Erkrankungen mit Tierarzneimitteln kann sehr gefährlich sein. Das Medikament kann möglicherweise überhaupt nicht wirken oder die Krankheit verschlimmern und zu schwerwiegenden, möglicherweise lebensbedrohlichen gesundheitlichen Komplikationen führen. Menschen sollten keine Produkte einnehmen, die für die Veterinärmedizin zugelassen sind […].“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton»
Lüdering geht früher von Bord
Apobank: Noch ein Vorstand weg»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Zwei Scheiben Brot fürs Wochenende
Wenn die Apotheke ein Supermarkt wäre»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»