Dobbert teilt aus: Ärzte und Politik hauen die Apotheker übers Ohr

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Berlin - Die gescheiterte Desinfektionsmittelbestellung der Apothekerkammer Brandenburg (AKBB) hat Verwirrung gestiftet – erst fragt sie den Bedarf ab, um dann ihren Mitgliedern zu eröffnen, dass die Aktion abgesagt ist. Dabei schien die Kammer selbst unerwartet enttäuscht worden zu sein. In einem Brief an ihre Mitglieder hat Präsident Jens Dobbert erklärt, woran es gescheitert war: An der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) und dem Innenministerium. Dobbert teilt in seinem Schreiben gegen alle Seiten aus: gegen die Ärzte, gegen die Politik, aber auch gegen einige Kollegen im Land, die offenbar die Kammer beschimpfen. Besonders deutlich sind seine Worte an die Adresse der Landesregierung.

Die Kammer trifft nach Darstellung ihres Präsidenten keine Schuld, dass die zentrale Bestellung von Desinfektionsmitteln geplatzt ist – vielmehr sei die Kammer ebenso entsetzt gewesen. Doch der Reihe nach: Die Apothekerkammer Brandenburg hatte über das Innenministerium eine zentrale Beschaffung von Händedesinfektionsmitteln vom Biokraftstoffhersteller Verbio eingeleitet, welche dann an die Apotheken im Land verteilt werden sollten.

Die wiederum waren aufgefordert, ihren Bedarf anzugeben. Doch die Freude der Apotheker währte nicht lange: „Aufgrund der noch immer ungewissen Liefertermine und -mengen und den Schwierigkeiten beim Transport und der Rechnungslegung an die Apotheken haben wir die Beschaffung von Händedesinfektionsmitteln über das Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg (MIK) gestoppt“, teilte die Kammer in einem Rundschreiben mit. Stattdessen habe die Kammer allerdings die Information erhalten, dass die Großhändler in Brandenburg inzwischen mit Desinfektionsmitteln lieferfähig seien. Es handele sich dabei allerdings nicht um die den Apothekern bekannten regulären Produkte oder Pharmazentralnummern – diese seien deshalb in der Apothekensoftware gegebenenfalls nur schwer auffindbar.

In einem Präsidentenbrief hat sich Dobbert daraufhin an die Kammermitglieder gewandt, um die Situation aus seiner Sicht zu erklären und die Schuldigen zu benennen. Die Absage der Bestellung, heißt es darin, „überrascht uns genauso wie Sie, zumal es ganz andere Absprachen mit dem Krisenstab des Landes Brandenburg, der KVBB, dem Gesundheitsministerium und dem Ministerium des Inneren (MIK) gab“.

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