Im September 2022 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, sämtliche Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten zu erfassen. Doch nicht jeder Betrieb kommt der Vorgabe nach, dazu gehören auch Apotheken. Wie eine aktuelle Adexa-Befragung zeigt, erfasst nur die Hälfte der Apotheken die Arbeitszeit. Für die Adexa legen die Ergebnisse nahe, dass zwischen offizieller Arbeitszeit und tatsächlicher Belastung weiterhin eine große Lücke besteht.
Die Adexa setzt sich seit Langem für eine verlässliche Arbeitszeiterfassung und einen fairen Umgang mit Überstunden und Mehrarbeit ein. Doch eine Umfrage unter mehr als 1100 Apothekenangestellten zeigt, dass zwischen der offiziell dokumentierten Arbeitszeit und der von den Angestellten tatsächlich geleisteten Arbeit in vielen Betriebsstätten eine deutliche Lücke besteht. Aber auch eine fehlende Arbeitszeiterfassung und eine mangelnde Umsetzung tariflicher Regelungen sind an der Tagesordnung.
Die Arbeitszeit wird trotz des „Stechuhr-Urteils“ aus dem Jahr 2022 nur bei der Hälfte der Befragten von den Apothekenleitungen erfasst. Wer der Pflicht nachkommt, nutzt in der Regel digitale Tools. Analoge Dokumentationen der Arbeitszeit in Papierform oder als Excel-Tabelle spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Die sogenannte Rüstzeit – die Zeit zum Vor- und Nacharbeiten zum Dienstbeginn beziehungsweise Dienstende – wird beim Großteil der Befragten nicht erfasst. Und auch bei denjenigen, deren Arbeitszeit dokumentiert wird, spielt die Zeit zum Hochfahren der Computer, für die Vorbereitung der Arbeitsplätze oder für den Kassenabschluss eine Rolle. Nur knapp 18 Prozent geben an, dass diese Zeiten erfasst werden – 23 Prozent erfassen die Zeiten nicht und beim Rest spielt die Rüstzeit keine Rolle.
Überstunden sind in den Apotheken gang und gäbe. Ausgezahlt werden diese in der Regel nicht. Knapp 87 Prozent der Befragten geben an, dass zusätzliche Arbeitsstunden üblicherweise durch Freizeit ausgeglichen werden. Nur knapp 15 Prozent der Befragten erhalten eine finanzielle Vergütung. Knapp 3 Prozent der Umfrageteilnehmenden erhalten nach eigener Aussage überhaupt keinen Ausgleich für geleistete Überstunden. Für die Adexa ist das „absolut nicht in Ordnung.“
Zudem wird Mehrarbeit meist ohne die tariflich vereinbarten Zuschläge vergütet. Nur knapp 5 Prozent der Befragten erhalten die Zuschläge gemäß Bundesrahmentarifvertrag. Rund 63 Prozent erhalten keine Mehrarbeitszuschläge und für rund ein Viertel der Teilnehmenden trifft die Regelung nach eigener Aussage nicht zu.
Knapp 70 Prozent der Teilnehmenden haben feste Arbeitszeiten. Doch gleichzeitig berichten knapp 30 Prozent von häufigen, teils kurzfristigen Änderungen ihrer Dienstpläne. Positiv ist jedoch zu bewerten, dass persönliche Wünsche bei knapp 63 Prozent der Befragten bei der Dienstplanung meist Berücksichtigung finden. Nur rund 4 Prozent geben an, dass auf ihre Wünsche kaum Rücksicht genommen wird.
„Während Dienstplanung und Teamabsprachen vielerorts vergleichsweise gut funktionieren, zeigen sich bei der Arbeitszeiterfassung und beim Umgang mit Mehrarbeit erhebliche Defizite“, so die Adexa. „Die Ergebnisse legen nahe, dass zwischen offizieller Arbeitszeit und tatsächlicher Belastung weiterhin eine große Lücke besteht.“
Zur Methodik: Die Umfrage basiert auf 1123 Datensätzen, ist jedoch nicht repräsentativ, da nicht alle Fragen für jede befragte Person zutrafen oder beantwortet wurden. Die größte Gruppe der Teilnehmenden waren PTA (47 Prozent), gefolgt von Apotheker:innen (28 Prozent), PKA und verwandte Berufsgruppen (11 Prozent).
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