Zeit Campus: Apotheker unsicher bei Pille danach

, Uhr

„Somit ist die Beratung in der Apotheke nicht nur fachlich ungenügend, sondern führt sicherlich öfter zu unnötiger Abgabe der Pille danach beziehungsweise in anderen Fällen zu einer Unterversorgung“, sagt Albring. „Die aktuelle Handlungsempfehlung ist das Ergebnis eines ausführlichen und langwierigen Diskussionsprozesses“ gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der Bundesärztekammer, der BVF und der ABDA, heißt dagegen von der ABDA. Zurzeit werde die Handlungsempfehlung allerdings noch einmal überarbeitet. Noch sei nicht absehbar, an welchen Stellen sich Änderungen ergeben könnten.

Professor Dr. Daphne Hahn setzte sich in ihren sieben Jahre als Vorsitzende von Pro Familia für die Rezeptfreiheit der Pille danach ein. Die heutige Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Fulda führte 2017 eine quantitative Befragung von hessischen Apothekern durch. 989 Apotheken wurden angefragt, 134 Datensätze konnten ausgewertet werden. Dazu wurden zwei Apothekerinnen und zwei Apotheker ausführlich interviewt. Die Vergabepraxis in Apotheken sei oftmals unbefriedigend, folgerte Hahn danach im Gespräch mit Zeit Campus. Einige Apotheker hätten angegeben, die Pille danach in bestimmten Situationen gar nicht zu verkaufen – beispielsweise an Minderjährige oder an Frauen, die gar kein oder nur schlechtes Deutsch sprechen. Frauen, die potenziell mehr als einmal wegen der Pille danach in die Apotheke kommen, seien im einem der Interviews als „Wiederholungstäterinnen“ bezeichnet worden.

Auch wenn der Verdacht bestehe, dass die Kundin aufgrund einer Vergewaltigung die Pille danach benötige, werde das Präparat nicht in jedem Fall abgegeben. „Das Apothekenpersonal scheint im Umgang mit Gewaltopfern sehr unsicher zu sein“, heißt es in einer Analyse der Befragung, die 2017 im Pro Familia Magazin erschien. Ein Verweis an einen Arzt sei zwar ratsam, sollte jedoch erst nach der Aushändigung des Notfallkontrazeptivums erfolgen. Unsicherheit herrsche zudem über die Vergabe an Minderjährige. Der hier schwammig formulierte ABDA-Leitfaden solle überarbeitet werden. „Eine eindeutige rechtliche Regelung kann Divergenzen in der Vergabepraxis, wie beispielsweise bei der Abgabe an Minderjährige, reduzieren und somit einen barrierearmen Zugang unterstützen.“

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Drei Wochen abgeschaltet
Facebook erlaubt Vagisan wieder»
Familienpackung für die Hausapotheke
Nasic kommt im Doppelpack»
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»