Umfrage: Jeder zwölfte Impfpass gefälscht

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Berlin -

Ob 2G, Lockdown für Ungeimpfte oder Impfpflicht: Viele Corona-Maßnahmen der Politik fußen darauf, dass der Impfstatus des Einzelnen erfasst ist und nachgewiesen werden kann. Doch das digitale Impfzertifikat hat eine entscheidende Schwachstelle – immer häufiger werden gefälschte Impfpässe in den Apotheken vorgelegt. Die Apothekenteams sind zunehmend desillusioniert, wie eine Umfrage von aposcope ergab.

94 Prozent der Teilnehmer:innen gaben an, dass in ihrer Apotheke digitale Impfzertifikate ausgestellt werden, im Durchschnitt sind es rund 20 Zertifikate am Tag, insgesamt bislang 3000. Laut 40 Prozent dieser Befragten sind bereits Fälschungen aufgetaucht – insgesamt könnten 8 Prozent aller vorgelegten Impfpässe gefälscht sein, so die Schätzung.

Die Apothekenteams nehmen die Aufgabe sehr ernst. Wo mutmaßliche Fälschungen bereits aufgetaucht sind, reagierten die Mitarbeiter:innen unterschiedlich:

  • 57 Prozent rufen in der Praxis an
  • 50 Prozent vertrösten den Kunden bzw. die Kundin auf den nächsten Tag
  • 36 Prozent sprechen mit der Polizei
  • 30 Prozent sprechen den Kunden bzw. die Kundin an
  • 26 Prozent machen sich eine Kopie vom Impfpass
  • 24 Prozent bringen jeden mutmaßlichen Fall zur Anzeige
  • 11 Prozent stellen Impfpässe generell nur zur späteren Abholung aus
  • 5 Prozent versuchen, den Kunden bzw. die Kundin von einer Impfung zu überzeugen

Dass sich Apotheken von vornherein schützen, kommt selten vor: Nur 11 Prozent stellen ausschließlich Zertifikate für Stammkund:innen aus, nur 33 Prozent nimmt nur wohnortnahe Nachweise. Blanko-Impfpässe werden übrigens laut 42 Prozent trotzdem angeboten, allerdings in der Mehrzahl der Fälle beschränkt auf ein Heft pro Kund:in (63 Prozent).

Jeder könnte Fälscher sein

Woran erkennt man Kund:innen, die gefälschte Impfpässe vorlegen? Gar nicht, so das Ergebnis der Umfrage: 48 Prozent der befragten Apotheker:innen und PTA gaben zwar an, dass es überwiegend 20- bis unter 45-Jährige seien und auch Männer wurden von 33 Prozent genannt. Aber ansonsten wurden keine besonderen Charakteristika genannt, 39 Prozent gaben sogar an, es gebe keine typische Person.

58 Prozent der Teilnehmer:innen hätten nicht erwartet, dass derart viele gefälschte Impfpässe in der Apotheke vorgelegt werden. Jede:r Zweite fürchtet sogar um die eigene Sicherheit, weil Apotheken in den Fokus von Menschen mit gefälschtem Impfpass geraten (51 Prozent). Drei von vier Befragten finden, dass es nicht Aufgabe der Apotheken ist, Menschen mit gefälschten Impfpässen das Handwerk zu legen. Und 11 Prozent gaben sogar zu, dass sie auch bei Verdacht auf eine Fälschung das Zertifikat ausstellen, da sie die Diskussionen leid sind.

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