Fake-Impfpässe: Journalisten testen Apotheken

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Berlin -

Impfzertifikate sind das wichtigste Kontrollinstrument in der Pandemie – haben nur leider eine gravierende Schwachstelle: Der Impfpass ist vergleichsweise leicht zu fälschen. Und je schärfer die Maßnahmen, desto größer die Versuchung für Impfgegner, ein gefälschtes Attest in der Apotheke vorzulegen. Wie genau es die Apothekenteams mit der ihnen anvertrauten Aufgabe nehmen, kontrollieren jetzt offenbar auch Journalisten.

In Berlin gibt es Berichte, dass Journalist:innen gefälschte Impfpässe in Apotheken vorlegen. Mit teilweise sehr offensichtlichen Fälschungen werde getestet, wie die Apothekenmitarbeiter:innen sich verhalten. Der Berliner Apotheker-Verein (BAV) weist die Mitglieder auf dieses Vorgehen hin, aber auch auf das vermehrte Auftreten gefälschter Impfpässe. Teils würden Apothekenmitarbeiter:innen beschimpft, wenn sie das Ausstellen eines Zertifikats aufgrund eines Fälschungsverdachts verweigern.

„Apotheken kommt bei der Identifizierung solcher Fälschungen allein schon aus Gründen des Infektionsschutzes eine wichtige Rolle zu“, so der BAV. Denn wenn Menschen sich mit gefälschten Impfnachweisen Zutritt zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften, zur Gastronomie oder gar zu Bars und Clubs verschafften, bestehe die Gefahr, dass sich das Coronavirus – trotz geltender Schutzmaßnahmen — unkontrolliert verbreite.

Nicht den geringsten Zweifel

„In der aktuellen Situation hält es der BAV für geboten und vertretbar, wenn Apotheken in allen Fällen, in denen auch nur der geringste Zweifel an der Echtheit eines Impfnachweises besteht, kein Impfzertifikat ausstellen, sondern die vermeintlich geimpfte Person an diejenige Stelle verweisen, bei der die Impfung durchgeführt wurde.“ Dies gelte insbesondere in solchen Fällen, in denen die Impfung außerhalb von Berlin oder in einem mittlerweile geschlossenen Impfzentrum durchgeführt wurde, da hier die Verifizierung der Impfdokumentation nicht mit vertretbarem Aufwand möglich sei.

„Die Gefahr, die von einer ungeimpften Person ausgeht, die sich mit einem gefälschten Imfpnachweis ein Impfzertifikat in der Apotheke verschafft hat, ist in jedem Fall schwerwiegender, als die Einschränkungen oder Mühen, die für eine geimpfte Person entstehen, deren Impfnachweis unvollständig ist und die sich daher um die Ausstellung eines Zertifikats durch die Stelle bemühen muss, die die Impfung vorgenommen hat.“

Webinar: Gefälschte Impfpässe: So schützen sich Apotheken

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