Benachteiligung wegen Coronaregeln

Schule verbietet Apothekenpraktikum

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Berlin -

Der Mangel an pharmazeutischen Fachkräften zwingt viele Inhaber:innen zur Betriebsaufgabe. Umso wichtiger ist es für Apothekerin Leonie Steffens*, Nachwuchs zu gewinnen und Schülerpraktikant:innen die Arbeit in der Offizin näherzubringen. Nachdem im vergangenen Jahr wegen Corona keine Schüler:in in ihrem Betrieb war, freute sie sich über die Zusage einer jungen Frau. Doch die Eltern sagten kurzfristig ab, weil die Schule das Praktikum untersagte.

Die Zeiten für ein Schülerpraktikum werden in diesem Fall vom Lehrinstitut vorgegeben. Mit den steigenden Infektions- und Inzidenzzahlen fragte sich Steffens bereits vor Wochen, ob die Schnupperwoche überhaupt stattfinden kann. Sie rief in der Schule an und bekam eine positive Rückmeldung. Solange die Schutzmaßnahmen des Betriebs eingehalten werden könnten, stehe dem Besuch nichts im Weg, habe es geheißen.

Die Inhaberin sicherte zu, dass die Praktikantin täglich getestet werde, und verwies auf die Schutzmaßnahmen vor Ort wie FFP2-Masken und Plexiglaswände. Auch die Eltern der Schülerin hatten keine Einwände. Am Donnerstag kam die kurzfristige Absage. Nachdem nicht alle Praktikabetriebe die Coronavorgaben für Ihre Praktikant:innen einhalten könnten, wolle man keine Schüler:in benachteiligen, habe die Schule argumentiert, sagt die Apothekerin.

Personalnot ist groß

Steffens ist wegen der Absage verärgert. Dabei geht es ihr nicht darum, dass sie ihre Planung auf den Nachwuchs eingerichtet hatte. Vielmehr stört sie, dass eine interessierte Schülerin sich nicht in ihrer Apotheke über die Arbeitsabläufe informieren könne. „Wie will man denn Nachwuchs finden, wenn man es den Schülern nicht möglich macht“, fragt sie sich. Dass der Betriebsbesuch auf Mai verschoben worden sei, sei auch kein Trost.

Die Lage in den Apotheken sei dramatisch, was das Personalthema angehe. Hunderte Stellen seien ausgeschrieben. Auf ihre Anzeige erhalte sie keinerlei Rückmeldungen. „In meinem Umkreis haben in den letzten 13 Monaten drei Apotheken wegen Personalmangels geschlossen“, sagt Steffens. Sie fordert unter anderem, dass die Apothekenberufe besser auf Berufsmessen vertreten werden.

Das könne das Problem jedoch nicht lösen. Die Standesvertretung sei gefragt. „Wir finden kein Personal, solange das Geld nicht passt.“ Es sei erschreckend, wie viele pharmazeutischen Fachkräfte sich in sozialen Netzwerken nach Berufen außerhalb der Apotheke umhörten, weil sie sich beruflich umorientierten wollten.

* Name von der Redaktion geändert

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