„Nachts träume ich schon von 0,3 Millilitern“

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Dabei sei der Umgang mit dem Biontech-Impfstoff alles andere als trivial, er sei stoßempfindlich, ist nach Ende der Tiefkühlung nur fünf Tage haltbar und die Entnahme der letzten 0,3-Milliliter-Dosis sei nicht immer leicht. „Da muss man gewissenhaft und genau arbeiten, aber dafür ist ja pharmazeutisches Personal dabei“, sagt er. „Ich habe allein am Freitag von 9 bis 18 Uhr in einem Pflegeheim 186 Impfdosen aufbereitet. Nachts träume ich schon von 0,3 Millilitern.“

Wichtig sei es, sich jetzt auch spontan einzubringen, redet er den Kollegen ins Gewissen. So sei erst am Montag wieder ein spontaner Anruf gekommen: Jemand aus dem Impfteam sei krankheitsbedingt ausgefallen. „Auch das kann passieren. Natürlich stehe ich dann morgen um 8.30 Uhr da und bereite 130 Impfdosen auf.“ Wenn er nicht selbst kann, versuche er, anderweitig Hilfe zu vermitteln.

So seien in einem Impfzentrum 200 Dosen kurz vor dem Verfall und müssten morgen spontan verimpft werden. Abnehmer wird deshalb die Polizei. „Das läuft aber alles zusätzlich zum normalen Betrieb, also müssen die spontan eine weitere Impfstraße einrichten und brauchen Personal dafür“, sagt er. „Ein PTA bei mir hat morgen frei, den habe ich gefragt und er hat sofort gesagt, dass er das natürlich macht. Das ist es, was wir in Deutschland gerade brauchen.“

Er rechne damit, dass sich auch mit Verfügbarkeit weiterer Impfstoffe die Lage in naher Zukunft weiter entspannen werde. Und zwar nicht nur quantitativ: Im Moment sei die Aufbereitung noch sehr aufwendig, der Moderna-Impfstoff sei hingegen leichter zu handhaben, da er nicht tiefgekühlt werden muss und unverdünnt angewendet werden kann – das bedeute auch einen geringeren Zeit- und Personalbedarf zur Aufbereitung. Bis dato sei es vor allem wichtig, sich selbst einzubringen, appelliert er an die Kollegen. „Das Gejammere hilft im Moment nicht. Im Moment wird wie verrückt gearbeitet und für unseren Berufsstand sollte es Ehrensache sein, sich da einzubringen. Man sollte nich meckern, sondern machen.“

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