„Covid wird uns weiter beschäftigen“

Moderna-Deutschlandchef: Wettrennen um Herbst-Impfstoff

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Berlin -

Während einige Menschen die Hoffnung haben, dass Omikron zur „natürlichen Impfung“ gegen Corona wird, denken Hersteller und Behörden schon weiter. Gerald Wiegand, seit Herbst Deutschlandchef der US-Firma Moderna, ist überzeugt, dass die Impfung auch künftig wichtig sein wird. Und weil im Herbst bereits die nächste Generation an Impfstoffen zur Verfügung stehen soll, laufen die Forschungsarbeiten auf Hochtouren.

„Die Omikron-Welle rollt, Experten rechnen mit einem Peak in den kommenden Wochen. Wir sind aber überzeugt, dass das Thema Covid danach nicht erledigt ist“, sagt Wiegand. Das Krankheitsbild entwickele sich weiter in Richtung endemische Lage – aber keiner wisse, wie das Virus reagieren werde. „Wir sind überzeugt, dass Impfangebote auch in Zukunft absolut hilfreich sein werden.“

Gleich mehrere Informationen hat der Hersteller gestern veröffentlicht, unter anderem zum Schutz seines Impfstoff vor der Omikron-Variante. Schon im Herbst hatte CEO Stéphane Bancel erklärt, dass die bisherigen Covid-19-Impfstoffe wohl weniger wirksam sein könnte. Tatsächlich zeigt eine jetzt im „New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlichte Studie, dass die Neutralisierung sechs Monate nach der dritten Impfung deutlich abnimmt, auch wenn sie bei allen Teilnehmer:innen noch nachweisbar war.

„Die Beständigkeit der Antikörper gegen Omikron sechs Monate nach der derzeit zugelassenen 50-µg-Auffrischungsimpfung mit mRNA-1273 stimmt uns zuversichtlich“, so Bancel. „In Anbetracht der langfristigen Bedrohung durch die sogenannte Immunflucht von Omikron treiben wir unseren Omikron-spezifischen Impfstoffkandidaten dennoch weiter voran.“

Innerhalb von nur 63 Tagen nach der Sequenzierung hat Moderna nun seinen an Omikron angepassten Kandidaten mit dem Namen mRNA-1273.529 präsentiert. „Das ist ein echter Meilenstein, denn wir konnten zeigen, dass wir mit unserer Plattform innerhalb kürzester Zeit auf Veränderungen reagieren können.“

Fast zeitgleich zu Biontech startet der US-Hersteller mit der klinischen Studie, der erste Patient wurde bereits geimpft: Jeweils rund 300 doppelt oder sogar dreifach geimpfte Patienten sollen ihn in den kommenden Wochen als Auffrischungsimpfung erhalten.

Dass er den bisherigen Impfstoff auf dem Markt ablösen wird, steht allerdings alles andere als fest. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat bereits angekündigt, dass sie den Fokus auf multivalente Impfstoffe legen will, die gegen verschiedene Varianten gleichzeitig wirken.

Daher prüfe man bereits, ob man den Omikron-spezifischen Kandidaten in das multivalente Booster-Programm aufnehme, so Bancel. „Darüber hinaus werden wir auch weiterhin Daten mit den Gesundheitsbehörden teilen, um dabei zu helfen, evidenzbasierte Entscheidungen über die besten Booster-Strategien gegen Sars-CoV-2 zu treffen.“

Für Moderna startet das Wettrennen im Grunde von vorn: „Die Entscheidung, ob weiter mit einem monovalenten Impfstoff geimpft wird oder mit einem bi- oder gar trivalenten, steht noch aus“, sagt Wiegand. „Aber ganz egal, wie die Booster-Strategie aussehen wird: Unser Ziel ist es, in jedem Fall ab Herbst dabei zu sein.“

Apotheken noch wichtiger

Dass auch Apotheken in die Impfkampagne einsteigen, findet Wiegand gut: „Das macht die Apotheken noch einmal wichtiger als Partner. Wir werden unser Bestes geben, die Impfkampagne auf allen Ebenen zu unterstützen.“ Dass Moderna bislang immer im Schatten von Biontech stand, ist laut Wiegand ungerechtfertigt: „Unser Imfstoff ist voll vertrauenswürdig. Wir haben eine sehr starke Qualität, denn wir wollen ja, dass die Menschen uns jetzt und in Zukunft vertrauen können.“

Der Covid-Impfstoff soll erst der Anfang sein. Perspektivisch sei etwa denkbar, Corona- und Grippeimpfung alljährlich zu kombinieren. Doch auch für ganz andere Indikationen komme die mRNA-Technologie in Frage. Nicht von ungefähr baue man bei Moderna gerade ein Deutschlandteam auf. „Wir haben eine große Pipeline, über die wir informieren und die wir verfügbar machen wollen.“

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