AvP-Insolvenz

Kammer Nordrhein fordert zinslose KfW-Kredite APOTHEKE ADHOC, 30.09.2020 10:23 Uhr

Berlin - Zur Unterstützung von Apotheken, die durch die AvP-Insolvenz in Not geraten sind, fordert die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) zinsfreie Überbrückungskredite der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Die Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln darf darunter keinesfalls leiden, doch genau diese Gefahr zeichnet sich ab“, so die Kammer. Außerdem fordert die Kammer die Krankenkassen zur „pünktlichen und vollständigen Zahlung der Rezeptabrechnungen für September auf“.

„Nur so können wir Versorgungslücken vermeiden und betroffene Apotheken nachhaltig unterstützen“, sagt Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann. Derzeit sähen sich 20 Prozent der Apotheken mit einer teils existenzbedrohlichen Situation konfrontiert. Weil eine direkte Abrechnung von Rezepten mit Krankenkassen praktisch unmöglich sei, seien sie de facto gezwungen, mit einem Anbieter wie AvP zusammenzuarbeiten. Wegen der Komplexität sozialrechtlicher Vorgaben kämen Apotheken de facto nur über einen solchen Dienstleister an ihr Geld. Zugleich müssten Apotheker ihr Warenlager vorfinanzieren und seien darauf angewiesen, dass die sich anschließenden Abrechnungen gegenüber den Krankenkassen schnell erfolgten und pünktlich bezahlt würden. Nur so könnten sie ihren Verpflichtungen gegenüber Großhandel und Industrie nachkommen.

Durch die Insolvenz sind nun wohl zwischen 250 und rund 300 Millionen Euro auf AvP-Konten eingefroren, bis sehr komplexe rechtliche Fragen geklärt seien, so die AKNR. Das könne Jahre dauern: „Dieses Verfahren setzt die betroffenen Apotheken einem existenziellen Risiko aus, da sie schlicht nicht in der Lage sind, die Beträge, die nun eingefroren sind, für die Dauer des Verfahrens vorzufinanzieren“. Die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung erfolgt nach § 1 Abs. 1 Apothekengesetz im öffentlichen Interesse. Apotheker nähmen hier Aufgaben des Staates wahr, seien aber zugleich auch in der Regel als Kaufleute persönlich und unbegrenzt haftend.

Nun hafteten sie für Versäumnisse, die andernorts entstanden sind. „Das A und O ist die Liquidität im Bereich der lückenlosen Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln. Sie ist nötig, damit Apothekerinnen und Apotheker ihren staatlich übertragenen Gemeinwohlauftrag weiterhin erfüllen können“, so Hoffmann. Vizepräsidentin Kathrin Luboldt ergänzt: „Die Verzweiflung bei den Kolleginnen und Kollegen ist riesengroß. Sie sind absolut unverschuldet in diese Lage geraten und nun gezwungen, Kredite aufzunehmen, die viele eigentlich gar nicht wollen. Es geht teils um sehr hohe Summen, die kaum jemand auf der Seite liegen hat. Da sind viele Frauen und Männer, Familienväter und vor allem auch viele Mütter ohne eigenes Fehlverhalten in eine dramatische Situation gekommen. Deshalb sind zinsfreie Kredite so wichtig, um die Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln nicht zu gefährden.“ Es gelte, kurzfristig die Liquidität der Apotheken bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens unbürokratisch zu gewährleisten.

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