AOK Bayern: Warme Worte, eiskalte Retax

, Uhr

Berlin - Die AOK Bayern sichert den von der AvP-Insolvenz betroffenen Apotheken in einem sehr herzlichen Brief volle Unterstützung zu. So werde man keine Kürzungen vornehmen, wenn Apotheken über ihr neues Rechenzentrum die Rezepte verspätet einreichen. Allerdings gibt es eine versteckte Botschaft, die es in sich hat: Retaxationen aus offenen Abrechnungen will die Kassen den Apothekern später zustellen – wohl um sie von der AvP-Insolvenzmasse fernzuhalten.

Die Situation bei AvP habe auch bei der AOK Bayern Besorgnis ausgelöst, schreibt die Kassen an die Apotheker im Freistaat. „Wir sind uns bewusst, dass Sie das Insolvenzeröffnungsverfahren vor erhebliche Herausforderungen stellt.“ Die AOK will dazu beitragen, „die Zahlungsprozesse in der Zukunft wieder sicherzustellen“.

Am 23. September, auf den Tag eine Woche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens, hat Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos die Kassenvertreter in einer Videokonferenz über sein weiteres Vorgehen informiert. Unter anderem teilte er mit, dass die noch beim Rechenzentrum befindlichen Rezepte durch die AvP-Mitarbeiter abgerechnet werden sollen. „Die Abrechnung soll dann über eigens von ihm dafür einzurichtende Treuhandkonten abgewickelt werden“, gibt die AOK weiter. Dadurch solle gewährleistet werden, „dass dieser Geldfluss durch die Insolvenz nicht gefährdet wird“.

Die AOK Bayern gibt diesbezüglich das Versprechen ab, „dass wir dieses Vorgehen sehr genau prüfen und keine Zahlungen leisten werden, wenn nicht sichergestellt ist, dass das Geld die Apotheken vor Ort vollständig erreicht“.

Noch offene Retaxationen hebt sich die Kasse allerdings für später auf: „Sollten sich aus der laufenden Abrechnungsprüfung früherer Monate Beanstandungen ergeben, werden wir diese nicht mit einer noch von der AvP oder dem (vorläufigen) Insolvenzverwalter vorgenommenen Abrechnung verrechnen. Wir bitten um Verständnis, dass wir dennoch die Anschreiben über Beanstandungen turnusgemäß versenden werden“, heißt es. Mit anderen Worten: Ein Retax-Erlass gibt es nicht. Die Kasse vermeidet bewusst, mit ihren Forderungen selbst zum Gläubiger zu werden.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»