Krebsmedikamente

Gebietslos verlassen: BKK retaxiert Reha-Rezepte Nadine Tröbitscher, 17.05.2018 10:18 Uhr

Berlin - Wenn Kunden in die Apotheke kommen, die nur zu Gast im Ort sind, kann es kompliziert werden: Je nach Kasse gelten andere Rabattverträge, die Importquote ist mitunter unwiederbringlich ruiniert. Einen Apotheker aus Nordrhein-Westfalen traf es besonders hart: Er wurde von der Audi-BKK um die Erstattung gebracht, weil er eine Patientin aus einem anderen Bundesland mit Zytostatika versorgt hatte. Der Schaden sollte etwa 2000 Euro betragen.

Die Patientin aus Bayern war im Februar 2017 zur einer stationären Reha in Ostwestfalen. Da sie auch weiterhin mit dem Zytostatikum Trastuzumab behandelt werden musste, stellte der behandelnde Münchner Onkologe entsprechende Rezepte aus. Diese löste die Patientin in der Apotheke in NRW ein.

Der im Rahmen der Zyto-Ausschreibung von DAK und GWQ geschlossene Vertrag erlaubte zum damaligen Zeitpunkt keine Belieferung der Rezepte durch die Apotheke in NRW. Das Bundesgebiet war in 322 Gebietslose aufgeteilt worden, jeder Bieter sollte maximal acht Zuschläge erhalten. Mit diesem dichten Apothekennetzwerk sollte die wohnortnahe Versorgung gesichert werden. Etwa 150 Vertragspartner, darunter Einzelapotheken und Bietergemeinschaften, hatten Zuschläge erhalten.

Nur dass Patienten ihren Sprengel gelegentlich verlassen, konnte bei der Ausschreibung nicht berücksichtigt werden. Der Apotheker aus Ostwestfalen war natürlich nicht berechtigt, die Reha-Patienten aus dem fernen München zu versorgen. „Die Substanz muss frisch hergestellt werden und ist nur drei Stunden haltbar. Wie hätte das die lieferberechtigte Apotheke machen sollen?“, fragt sich der Apotheker.

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