Demo vor Mohren-Apotheke

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Dutzende Menschen demonstrierten vor der Mohren-Apotheke in Friedberg für eine Umbenennung der Mohren-Apotheke.
Berlin -

Der Streit um die Hofapotheke zum Mohren im hessischen Friedberg reißt nicht ab. Von Petitionen über Demonstrationen, gescheiterten Gesprächsversuchen bis hin zu Pressekonferenzen wurden schon so ziemlich alle Register der öffentlichen Debatte gezogen. Eine Lösung des Streits ist aber so weit entfernt wie eh und je. Am Wochenende hatte die Apotheke nun erneut unerwünschten Besuch: Knapp 100 Menschen demonstrierten laut Angaben der Veranstalter vor dem Betrieb gegen den Namen, den sie als rassistisch empfinden.

Spätestens mit dem Aufkommen der Black-Lives-Matter-Bewegung erhielt auch die Debatte um die vielerorts umstrittenen Mohren-Apotheken erneut Aufwind. Die Argumente sind längst ausgetauscht: Anti-Rassismus-Aktivisten sehen den Begriff Mohr als durch die Kolonialzeit geprägte, abwertende Bezeichnung für Schwarze und damit als diskriminierend. Apothekeninhaber:innen verteidigen sich damit, dass der Begriff vor allem als Bezeichnung eines Betriebes durchweg positiv konnotiert sei und sich anerkennend darauf beziehe, dass große Teile unseres medizinischen und pharmazeutischen Wissens auf Erkenntnissen aus dem Orient und Nordafrika beruhen – und eben oftmals durch schwarze Menschen nach Europa gekommen sind.

Nur der Umgang mit dem Thema unterscheidet sich regional stark und reicht von Apothekeninhabern, die ohnehin nicht ganz glücklich mit dem Namen waren und das gesellschaftliche Klima als Chance sahen, gesichtswahrend und öffentlichkeitswirksam ihren Betrieb umzubenennen, bis hin zu jenen, die sich weigern, das nicht wollen. Dr. Kerstin Podszus zählt zu letzteren. Bereits 2018 sah sie sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt und startete eine Petition in eigener Sache, gut zwei Jahre später ging es mit Black Lives Matter erneut los. Vor allem ein lokaler Aktivist kämpft seitdem für eine Umbenennung der Apotheke: Ousman Conteh, Hip-Hop-Tänzer aus Friedberg und Kopf der Initiative „United Colors for Change“.

Wie dieser Kampf abläuft, darüber gehen die Darstellungen jedoch maximal auseinander. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Gesprächsangebote auszuschlagen und Lügen über die jeweils andere Seite zu verbreiten. Podszus äußert sich öffentlich fast nur noch an der Seite ihres Anwalts über die Causa, Conteh wirft dem wiederum vor, selbst erzreaktionär zu sein und sich gar nicht auf Argumente einzulassen. Dabei habe er durchaus versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Weil es in anderen Städten in Deutschland zuletzt so gut geklappt hatte, wollten wir uns auch hier konstruktiv einbringen“, erklärt Conteh. „Wir haben nicht nur das Gespräch gesucht, sondern sogar ein Crowdfunding angeregt, um der Inhaberin bei der Umbenennung der Apotheke finanziell unter die Arme zu greifen.“

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