Hamburg Veddel

Stadtteil sucht Apotheke – dringend!

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Berlin -

414 Apotheken gibt es in Hamburg. Damit ist die Versorgung der gut 1,8 Millionen Hansestädter eigentlich sichergestellt. Auf eine Apotheke kommen im statistischen Schnitt 4300 Bürger. Doch im Stadtteil Veddel gibt es ein Problem: Für fast 5000 Bewohner gibt es seit nunmehr drei Jahren keine einzige Apotheke. Es fehlen die Ärzte. Bis vor Kurzem gab es nur eine Arztpraxis. Jetzt hat sich eine Poliklinik angesiedelt – auf der Veddel hofft man nun, dass eine Apotheke nachzieht.

Veddel ist nicht einmal fünf Quadratkilometer groß; der Stadtteil liegt zentrumsnah südlich der Norderelbe und ist multikulturell und industriell geprägt. Vom Gefühl her nicht ganz Stadt, aber auch nicht Dorf, ist die Veddel ein traditioneller Arbeiterstadtteil mit einer bewegten Geschichte. Aber Veddel ist arm und medizinisch unterversorgt. Die Statistik spiegelt die soziale Lage: 25,4 Prozent der Einwohner sind Empfänger von Arbeitslosengeld II, der Migrantenanteil beträgt 71 Prozent. Das Durchschnittseinkommen liegt bei gerade mal 14.633 Euro.

Seit Mitte Februar gibt es nun in Veddel eine neue Poliklinik. Mehrere Hundert Bewohner feierten die Eröffnung wie einen Sieg. Eingerichtet wurde die Poliklinik in der lange Zeit leer stehenden Polizeikaserne nahe des Hamburger Zollhafens. Als Erster eröffnete dort der Allgemeinmediziner Ole Bonnemeier seine Praxis.

In anderen Vierteln wäre so etwas nichts Besonderes, auf der Veddel hingegen gab es bis zu diesem Zeitpunkt nur eine einzige niedergelassene Hausärztin, die für 4704 Menschen zuständig war. In den vergangenen Jahren hatten fast alle ihre Kollegen die Veddel verlassen in Richtung reicherer Stadtteile wie etwa Eppendorf. Dort gibt es mehr Privatpatienten.

Die einzige Apotheke schloss vor circa drei Jahren, der Inhaber musste aus Altersgründen aufgeben. Eine Nachfolge fand sich nicht. Die Rahmenbedingungen waren nicht nur aus wirtschaftliche Gründen unzureichend. Die alte Apotheke hätte mit hohen finanziellen Aufwand umgebaut werden müssen. Unter anderem war die vorgeschriebene Barrierefreiheit nicht gewährleistet.

Seitdem werden die Einwohner Veddels von Apotheken der angrenzenden Stadtteile versorgt. Über eine S-Bahnstation, die weiter südwestlich liegt, erreicht man Wilhelmsburg. Dort gibt es Apotheken und Ärzte. Zwei S-Bahnstationen nördlich liegt die Hamburger City mit dem Hauptbahnhof. Auch hier finden sich Apotheken.

„In Veddel aber wohnen viele ältere Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können“, berichtet Apotheker Björn Schrage von der Inselpark-Apotheke. Daher beteiligt er sich mit drei weiteren Apotheken an einem Projekt, das die Versorgung sichern soll. Auf ausdrücklichen Wunsch von Patienten, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, kommen die Rezepte in die Apotheke und werden im Rahmen des Botendienstes beliefert. Das sind ein bis zwei Rezepte pro Tag. Laut Schrage ist der Service ein Zuschussgeschäft, das vor allem die Versorgung sichern soll: „Das rechnet sich wirtschaftlich nicht, aber der Patient steht im Mittelpunkt.“

Obwohl Veddel von der Inselpark-Apotheke nur gut einen Kilometer entfernt liegt, dauert die Lieferfahrt mit klimatisierten Kleintransporter der Apotheke mindestens eine halbe Stunde. Im Hafengebiet gibt es zwar viele Straßen. Die sind aber für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Daher muss das Hafengebiet umfahren werden.

Die Arzneimittelversorgung Veddels sieht Schrage trotzdem nicht gefährdet. Die meisten Anwohner lösten ihre Rezepte auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkaufen ein. Ob sich jemals wieder in Veddel eine Apotheke ansiedeln wird, ist fraglich. Die Poliklinik will weitere Sprechstunden von Ärzten anbieten. Bedarf gibt es vor allem für Kinder- und Frauenheilkunde.

Zum Jahresende soll die Poliklinik erweitert werden. Ob das reicht, bleibt abzuwarten. „Es fehlen in Veddel vor allem Fachärzte“, sagt Schrage. Solange die Politik die Rahmenbedingungen für Apotheken nicht positiver gestalte, bleibe die Eröffnung einer Apotheke in Veddel „sehr schwer“.

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